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25. September 2011

Unterwegs mit TurkSib und TransSib

Kurz nach der Rückkehr von unserer letzten Reise, sahen wir uns einige Reisedokus an. Eher zufällig waren auch welche über Kasachstan und den Osten Russlands dabei. Unsere Neugier war geweckt. Zeit übers Reisen nachzudenken, hatten wir dann aber erst wieder während unserer Tschechien-Reise im Frühjahr. Und spätestens dann war es auch schon beschlossene Sache: Wir wollen nach Russland und Kasachstan!
TurkSib und TransSib
Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter ODbL
Visum Kasachstan
Kasachisches Visum
Ein paar Wochen später nimmt der Plan Gestalt an. Mit dem Flugzeug soll es in die alte kasachische Hauptstadt Almaty gehen. Von dort wollen wir mit Halt in der Seidenstraßenstadt Shymkent an den Aralsee nach Aralskoe More weiterreisen. Vom Aralsee soll es nach Russland weitergehen. Nach einem kurzen Halt in Orenburg wollen wir in die Hauptstadt Moskau. Von dort geht es weiter in die Ukraine, nach Kiew. Die Route von Kiew in die Heimat zurück wollen wir erst vor Ort entscheiden. Insgesamt rechnen wir mit einer Reisedauer von zwei Wochen von Almaty nach Kiew. Für die Reise von Kiew nach Deutschland zurück planen wir weitere zwei Wochen ein, Urlaub genommen haben wir bis Anfang Oktober.
Bahnticket Russland
Bahnticket Aralskoe More
(Kasachstan) - Orenburg (Russland)
Im Mai kommt der erste große Meilenstein: Wir buchen die Flüge nach Almaty. Von nun an geht es Schlag auf Schlag. Kurze Zeit später beantragen wir die Visa für Kasachstan. Beinahe zeitgleich geht es an das Buchen der Bahntickets. Da es scheint, dass die Fernverkehrszüge in Russland und Kasachstan im Sommer chronisch überbucht sind, wollen wir uns nicht erst vor Ort um die Tickets kümmern müssen.
Russisches Visum
Russisches Visum
Also wenden wir uns telefonisch an Gleisnost, ein spezialisiertes Reisebüro in Freiburg. Nach einigem Hin und Her können wir auf diese Weise die Bahntickets bis Kiew bestellen. Ende Juni ist dann endlich unser kasachisches Visum fertig, umgehend beantragen wir das russische Visum. Mitte Juli sendet uns Gleisnost die Bahntickets zu, fast gleichzeitig erreicht uns die Nachricht, dass die russischen Visa abgeholt werden können. Letzter großer Schritt ist ein russischer Sprachintensivkurs Ende Juli – dann ist es auch schon fast soweit...
TransSib Zeitplan
Unser Reiseplan


1. Kasachstan

Flughafen Frankfurt
Am Frankfurter Flughafen
Wirklich ernst wird es dann am 14.08.2011. Am frühen Morgen machen wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Frankfurt. Von dort wird abends unser Flug starten. Obwohl wir zu früh am Frankfurter Flughafen sind, ist der Check-In-Schalter von Air Astana bereits geöffnet. Also stellen wir uns an der langen Schlange davor an, denn alles ist besser als tatenlos herumzusitzen und nervös zu werden.
Einige Zeit später sind wir schließlich an der Reihe. Rasch halten wir unsere Bordpässe in der Hand und gehen grade von dem Schalter weg, als wir auch schon wieder vom benachbarten 1.Klasse-Schalter zurückgerufen werden. Die resolute Frau hinter dem Schalter zerreißt ohne jede Erklärung unsere eben ausgestellten Tickets und erklärt erst auf unsere entsetzten Blicke hin, dass sie uns wegen unserer Körpergröße auf zwei Plätze mit größerer Beinfreiheit umbuchen würde. Nach dieser erfreulichen Wendung der Dinge dauert es nicht mehr lange bis zum Beginn des Boardings und kurz darauf sitzen wir bereits im Flugzeug.
Flug Astana
Flugtickets
Um 19.55 Uhr geht es dann endlich los. Unsere neuen Plätze am Notausgang sind tatsächlich mehr als komfortabel, wir können den Vordersitz selbst mit ausgestreckten Beinen nicht erreichen. Vor uns liegen nun gut fünf Stunden Flugzeit bis Astana und noch zwei weitere Stunden von Astana nach Almaty. Dort wird der Zeitunterschied zu Deutschland immerhin vier Stunden betragen.
Migrationskarte Kasachstan
Kasachische Migrationskarte
Die Flugzeit vergeht schleppend, Schlaf finden wir beide nicht. Kurz vor der Landung in Astana geht eine Stewardess herum und verteilt Vordrucke der so genannte Migrationskarte, die jeder Ausländer bei der Einreise ausfüllen muss. Das Dokument wird bei der Einreise gestempelt und muss bei jeder Passkontrolle vorgezeigt werden. Bei der Ausreise wird die Migrationskarte schließlich wieder eingezogen. Das selbe Prozedere wird uns, wie wir später sehen, noch bis in die Ukraine begleiten.
Die Landung wenig später fällt fast genau mit dem Sonnenaufgang zusammen. Auf dem fast leeren Rollfeld stehend, ist der erste Eindruck von Kasachstan der von Weite. Über uns spannt sich ein absolut wolkenfreier blauer Himmel, dessen Horizont an keiner Seite von irgendetwas begrenzt wird. Mit dem Bus geht es zum Flughafengebäude. Da es keinen Transitbereich gibt, müssen wir zunächst offiziell nach Kasachstan einreisen, bevor wir für den Weiterflug nach Almaty erneut einchecken können. Also stellen wir uns an der Warteschlange vor den Schaltern der Grenzpolizei ein. Rasch sind wir an der Reihe und Visa und Migrationskarten werden gestempelt – WIR SIND IN KASACHSTAN!!!
Geld Kasachstan
Kasachischer Tenge-Schein
Im Flughafengebäude ziehen wir am Geldautomaten ein paar kasachische Tenge und stärken uns mit einem kleinen Frühstück, dann checken wir für den Weiterflug ein. Einige Zeit später beginnt das Boarding und wir sind froh, erneut zwei recht komfortable Sitze zu haben. Bereits kurz nach dem Start übermannt uns dann schließlich doch noch der Schlaf.
Bei der Ankunft in Almaty empfängt uns gleißender Sonnenschein und obwohl es noch vor Mittag ist, liegt bereits drückende Hitze über der Stadt. Nachdem wir unser Gepäck wohlbehalten in Empfang genommen haben, gehen wir zum Ausgang des Flughafens. Sofort stürzen sich einige Taxifahrer auf uns, aber wir wollen lieber mit dem Bus zum Hotel fahren, das wir als einziges während dieser Reise reserviert haben. Eine genaue Anfahrtsbeschreibung haben wir nicht und auch die Bushaltestelle am Flughafen bleibt unauffindbar. Schließlich hilft uns eine ältere Frau weiter, die zwar kein Englisch spricht, uns aber dennoch mit der Hilfe einer Skizze den Weg zur Bushaltestelle und zum Hotel erklärt.
Hotel Zhetisu Almaty
Ankunft am Hotel
Kurze Zeit später sitzen wir tatsächlich im Bus in Richtung Innenstadt. Während Simon von einem russischen Veteranen in ordenbehängter Uniform angesprochen wird, komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Die diversen deutschen Aufkleber und Reklamen beweisen, dass der Bus früher für die Leverkusener Verkehrsbetriebe im Einsatz war, mit deren Bussen ich jahrelang zur Schule fuhr. Nach einer halben Stunde Busfahrt in brütender Hitze können wir endlich nassgeschwitzt aussteigen, das Hotel ist nur noch einen kurzen Fußweg entfernt. Im Inneren des großen Komplexes empfängt uns verblasster Sowjetprunk. Unter dem billigen Teppich kann man Parkett- und Marmorfußboden noch erahnen, die Wände sind mit abwaschbarer grün-blauer Ölfarbe gestrichen und die Möbel haben ihre besten Zeiten wahrscheinlich vor dem Tod Chruschtschows gehabt.
Almaty Hotel Zhetisu
Schlüsselkarte des Hotels
Die Rezeptionistin spricht nur ein paar Brocken Englisch und es dauert ein wenig, bis wir sie verstehen. Wir müssen offenbar an der Rezeption bezahlen, den Zimmerschlüssel erhalten wir aber erst an einer zweiten Rezeption auf der entsprechenden Etage. Der Rechnungsbetrag von 4000 Tenge für drei Nächte kommt uns zwar sehr gering vor, aber Jetlag, Hitze und die schlaflose Nacht hindern uns, allzu intensiv darüber nachzudenken. Ein Fehler wie sich später zeigt. Nachdem wir in der dritten Etage angekommen sind, finden wir tatsächlich eine weitere Rezeption und bekommen auch den Schlüssel.
Hotel Zhetisu
Im Hotel
Unser Zimmer passt optisch zum restlichen Hotel: abwaschbare Wände und alte Möbel. Wenigstens haben wir ein eigenes Bad mit Toilette und Waschbecken; die einzige Gemeinschaftsdusche unserer Etage ist am anderen Ende des Hotels. Müde fallen wir auf die Betten und obwohl wir eigentlich einen ersten Blick auf Almaty geworfen haben wollten, fordert die anstrengende Nacht ihren Tribut und uns fallen die Augen zu.
Hotel Zhetysu
Gemeinschaftsbad im Hotel
Erst am Abend werden wir wieder wach. Wir brauchen dringend etwas zu Essen, denn seit dem Frühstück haben wir nichts mehr zwischen die Zähne bekommen. Als wir das Hotel verlassen, ist es draußen immer noch genauso warm wie bei unserer Ankunft. Almaty liegt an der Flanke des Trans-Ili-Alatau-Gebirges, und so führt fast jede Straße in der Stadt bergauf. Das gilt auch für die Straße vor dem Hotel, die nach einer langen, flachen Steigung schließlich in eine der Hauptstraßen mündet. Wie alle Straßen Almatys ist auch die Hauptstraße sehr breit, die Bürgersteige sind von einer Reihe mächtiger Bäume vom Verkehr getrennt. Als Fußgänger kann man auf diese Weise fast durchgängig im Schatten durch die Stadt spazieren.
Spezialitaet Kasachstan
Unser Abendessen
Erfreulicherweise finden wir neben der Hauptstraße ein paar Essensbuden. Wir entscheiden uns für einen Bäckereistand, wo es allerlei exotisches Gebäck zu kaufen gibt. Währenddessen werden wir von allen Seiten neugierig beäugt. Die Menschen sehen hier, nur rund 300 Kilometer Luftlinie von der chinesischen Grenze entfernt, bereits eher asiatisch aus. Entsprechend stechen wir aus der Menschenmenge hervor. Mit diversen Gebäckstücke und einigen Flaschen Wasser verlassen wir den kleinen Markt schließlich, kehren ins Hotel zurück und gehen früh schlafen.
Nikolaus Kathedrale Almaty
Nikolaus-Kathedrale
Die Nacht bringt uns tatsächlich etwas Erholung, allerdings weckt uns der Verkehrslärm von der Straße unterhalb unseres Fensters bereits am frühen Morgen auf. Nach einer hastigen Dusche in dem Gemeinschaftsbad am anderen Ende des Hotels brechen wir zu einem ausgiebigen Spaziergang durch Almaty auf. Erstes Ziel des Tages ist die im Reiseführer hochgelobte Nikolaus-Kathedrale (Никольский собор). Während wir unterwegs unser Frühstück zu uns nehmen, heizt sich die Luft immer weiter auf. Es ist zwar noch weit vor Mittag, aber ein Thermometer am Wegesrand zeigt bereits 34° an. Dank des Stadtplans, den wir an der Rezeption bekommen haben, ist die Kathedrale schnell gefunden. Die eigentliche Attraktion sollen die Ikonen im Inneren sein, doch wir können leider den Zugang zu der in einem Hinterhof gelegenen Kirche nirgends finden. Also begnügen wir uns stattdessen mit einer Rast in einem kleinen Stadtpark nebenan.
Praesidentenpalast Almaty
Vor dem Präsidentenpalast
Nächstes Ziel wird der Präsidentenpalast. Astana hat zwar Almaty vor einigen Jahren als Hauptstadt Kasachstans abgelöst, doch der Palast wird immer noch als Sommerresidenz des Staatschefs genutzt. Das Gebäude ist nett anzusehen, viel anziehender ist allerdings der schattige Park davor. Nachdem wir uns a n den kühlen Wasserspielen erfrischt haben und ein wenig durch den Park geschlendert sind, gehen wir weiter.
Goldener Mann Kasachstan
Der Goldene Mann
Über einer nahegelegenen Straßenkreuzung thront eine Statue des Goldenen Mannes auf einer Säule. Das Original dieses archäologischen Fundes ist eine rund 3000 Jahre alte vergoldete Rüstung, die in der Nähe von Almaty gefunden wurde. Heute wird sie als Nationalsymbol betrachtet und an vielen öffentlichen Plätzen stehen Repliken. Vorbei an immer neuen Prachtbauten aus Sowjetzeit schlendern wir zur Kök-Töbe-Seilbahn. Die Seilbahn fährt zum gleichnamigen Berg oberhalb von Almaty hinauf. Dort befindet sich ein großer Vergnügungspark.
Himmelfahrt Kathedrale Almaty
Christi-Himmelfahrt-Kathedrale
Als wir an der Station der Seilbahn ankommen müssen wir allerdings feststellen, dass das Kassenhäuschen geschlossen ist. In der Annahme, dass die Bahn heute nicht fährt setzen wir uns in ein Café in der Nähe. Dort lesen wir, dass die Seilbahn nur alle 30 Minuten fährt und die Kasse nur kurz vor der Abfahrt geöffnet ist. Wir beschließen, morgen einen weiteren Versuch zu unternehmen und gehen heute lieber zu einer weiteren Attraktion Almatys, der Christi-Himmelfahrt-Kathedrale (Вознесенский Кафедральный Собор).
Denkmal Almaty
Kriegsdenkmal
Schon das Äußere der Kathedrale ist beeindruckend und täuscht beinahe über ein bemerkenswertes Detail hinweg: Die gesamte Kirche ist aus Holz errichtet, sogar die Nägel sollen aus Holz sein. Doch auch der Park rings um die Kathedrale ist sehenswert. Neben zahlreichen schattigen Sitzbänken gibt es hier auch ein beeindruckendes Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Erst am späten Nachmittag verlassen wir den Park wieder und gehen an den Ausläufern des Grünen Bazars vorbei zur Moschee von Almaty. Das schneeweiße Gebäude sieht mit der auffälligen goldenen Kuppel vor dem Hintergrund des tiefblauen kasachischen Himmels einfach magisch aus. Nach dem langen Tag schmerzen uns jedoch die Füße und so machen wir uns nach einer kurzen Besichtigung auf den Rückweg zum Hotel.
Moschee Almaty
Moschee von Almaty
Erst bei Einbruch der Dämmerung gehen wir noch einmal in die Stadt hinaus um dort zu Abend zu essen. Direkt neben dem Hotel finden wir ein Schaschlikrestaurant. Die Spieße sind fantastisch und auch das kasachische Bier schmeckt köstlich nach dem heißen Tag. Müde und satt gehen wir ins Hotel zurück und fallen auf die Betten.
Hotel Almaty
Wunde Füße...
Doch unser Schlaf währt nicht lange; gegen Mitternacht werden wir von penetrantem Klopfen an unserer Zimmertür aus dem Schlaf gerissen. Es ist ein Zimmermädchen, das uns zu verstehen gibt, dass wir an der Rezeption erwartet würden. Mit mulmigem Gefühl gehen wir zum Treppenhaus, wo uns die Rezeptionistin schon entgegenkommt. Es ist eine andere Frau als bei unserer Ankunft und diesmal spricht sie fließend Englisch. Schnell klärt sich, dass die Rezeptionistin vom Vortag nicht drei Nächte berechnet hatte sondern nur eine einzige – Dank unseres Jetlags hatten wir dem zu niedrigen Betrag von 4000 Tenge keine besondere Beachtung geschenkt. Unglücklicherweise haben wir keine kasachischen Tenge mehr bei uns und Dollar oder Euro werden im Hotel nicht akzeptiert, genauso wenig wie Kreditkartenzahlung. Schließlich einigen wir uns darauf, morgen bis zehn Uhr die ausstehenden zwei Übernachtungen zu bezahlen und dürfen in unser Zimmer zurück.
Zhetysu Almaty
Entspannen im Hotelzimmer
Wiederum ist es der Verkehrslärm, der uns am nächsten Morgen aufweckt. Eingedenk unseres nächtlichen Erlebnisses machen wir uns direkt nach dem Aufstehen auf den Weg zum nächsten Bankautomaten und kaufen unterwegs auch gleich unser Frühstück. Nachdem wir die beiden ausstehenden Übernachtungen an der Rezeption bezahlt haben, frühstücken wir in unserem Zimmer und überlegen uns ein Tagesprogramm. Zunächst werden wir das Archäologische Museum besichtigen. Anschließend wollen wir mit der Kök-Töbe-Seilbahn zum gleichnamigen Vergnügungspark fahren.
Museum Almaty
Archäologisches Museum
Am Ticketschalter des Museums bekommen wir für umgerechnet etwa einen Euro unsere Tickets. Zu den Exponaten gehören eine ganze Reihe Ausgrabungsfunde, die wohl die Siedlungsgeschichte Kasachstans veranschaulichen sollen. Leider sind englische Erklärungen die Ausnahme. Bei den meisten Ausstellungsstücken beschränken sich die englischsprachigen Hinweise auf den Satz "Please don`t touch!". In Anbetracht der Tatsache, dass Englisch neben Kasachisch und Russisch zur dritten Amtssprache erhoben werden soll, sind wir etwas überrascht. Schneller als gedacht haben wir also die Besichtigung des Museums abgeschlossen und brechen nach einer Pause in einem der unzähligen Cafés zur Talstation der Seilbahn auf.
Koek Toebe Almaty
Ticket für die Seilbahn
Diesmal haben wir Glück, offenbar steht die Abfahrt einer der Kabinen kurz bevor, denn der Ticketschalter ist besetzt. Und tatsächlich sind wir wenige Minuten später bereits auf dem Weg den Berg hinauf. Wohl wegen der höheren Lage, ist es auf dem Berg deutlich kühler als in der Stadt. Hauptattraktion des kleinen Vergnügungsparks ist der Blick auf Almaty und auf das Gebirge hinter uns. Erst von hier oben erkennt man, wie große Almaty wirklich ist. Aber der Park hält noch zwei weitere Attraktionen bereit. Zum einen eine Skulptur der Beatles, vom hiesigen Fanverein aufgestellt, und einen Brunnen in Form eines riesigen Apfels. Der Apfel ist wegen der großen Obstplantagen rund um Almaty das Symbol der Stadt. Schon der Name Almaty (oder russisch Almata) weist darauf hin, denn Alma (алма) bedeutet nichts anderes als „Apfel“.
Beatles Almaty
Beatles-Skulptur,...
Koek-Toebe
...und Ausblick vom Koek Toebe
Apfel Almaty
...Apfel-Brunnen...
Erst spät am Nachmittag fahren wir mit der Seilbahn in die Stadt zurück. Auf dem Weg zum Hotel nehmen wir an einem Straßenstand zwei Schalen Plov mit, ein Reisgericht mit Fleisch, viel Kümmel und Kürbis- und Karottenstücken, das wir später im Hotel essen. Erschöpft von dem langen Tag schlafen wir anschließend ziemlich schnell ein.
Essen Kasachstan
Plov
Der nächste Morgen bringt erstmals keinen strahlenden Sonnenschein, stattdessen ist es bewölkt. An den Temperaturen ändert dies allerdings kaum etwas. Nach einem hastigen Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen und bringen sie zur Rezeption runter. Tatsächlich können wir unser Gepäck bei den Wachleuten abgeben, die offenbar auch als "Baggage Supervisor" fungieren.
Bazar Almaty
Auf dem Grünen Bazar
Vom Hotel brechen wir zum Grünen Bazar auf. Der Zentralmarkt der Stadt besteht aus einem überdachten Außengelände, wo Gemüse und Obst verkauft wird und aus einigen überdachten Hallen, wo Fisch, Fleisch, aber auch Haushaltsgegenstände feilgeboten werden. In Anbetracht der Größe Almatys ist der Markt jedoch eher klein und an diesem Morgen auch nur spärlich besucht.
Die restliche Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges verbringen wir im Gorki-Park, dem ältesten Park Almatys. Während wir uns auf den Weg dorthin machen, bricht sogar die Sonne wieder durch die Wolken. Der Park ist eine gepflegte Anlage mit vielen alten Bäumen und zahlreichen Freizeitangeboten. Nachdem wir alles erkundet haben, nehmen wir auf einer Bank im Schatten Platz und hören ein wenig Hörbuch.
Gorki Park Almaty
Eingang des Gorki-Parks
Schließlich gehen wir zum Hotel zurück, holen unser Gepäck ab und fahren mit dem Bus zum Bahnhof. Grade als wir uns dort im Wartebereich eine freie Bank suchen wollen, werden wir von einem Polizisten angesprochen. Rasch eilen weitere Polizisten dazu und drängen uns in das Büro der Bahnhofspolizei. Am Ende sind wir von sieben Beamten umringt, die uns auf Russisch und Kasachisch mit Fragen überhäufen und beginnen unser Gepäck zu durchwühlen. Nacheinander wandern Papiere und Teile unseres Gepäcks durch die Hände der Polizisten. Irgendwann sehen die Männer jedoch ein, dass wir keine nennenswerten Wertgegenstände mit uns führen und auch nicht bereit sind Bestechungsgeld zu zahlen. Also dürfen wir wieder alles zusammenpacken und werden freundlich mit Handschlag verabschiedet. Erst später fällt uns auf, dass Geld aus unserem Portemonnaie fehlt, aber zumindest wurde unsere Bargeldreserve nicht gefunden.
Waggon TransSib
Im Zug nach Shymkent
Bald nach der Kontrolle wird der Nachtzug nach Shymkent bereitgestellt und wir steigen ein. In unserem Vier-Bett-Abteil treffen wir auf zwei ältere Damen, die mit uns fahren werden. Kurz nach der Abfahrt laden sie uns zu einer Tasse Tee ein. In jedem Waggon befindet sich ein kohlebefeuerter Samowar, an dem sich jeder nach Belieben Heißwasser zapfen kann. In jedem Abteil steht zudem eine Teekanne. Die Tassen und Teebeutel muss man selber mitbringen oder beim Schaffner erfragen. So sitzen wir also bald mit den beiden Babuschkas da, bekommen Tee gereicht und diverses Knabberwerk angeboten.
Waggon TurkSib
Warten auf die Ankunft in Shymkent
Später am Abend klettern wir dann zu den oberen Pritschen hoch, die unteren haben wir den beiden Frauen überlassen. Die Nacht wird erstaunlich erholsam, die Betten sind bequem, denn man bekommt nicht nur Bettwäsche zur Verfügung gestellt, sondern auch eine zusammengerollte Matratze. Kurz nach dem Aufstehen am nächsten Morgen kommt der Schaffner vorbei und gibt uns die Tickets zurück, die Ankunft in Shymkent steht kurz bevor. Wir verabschieden uns von unseren beiden Mitfahrerinnen und bald darauf hält der Zug an.
Shymkent Bahnhof
Auf dem Weg in die Innenstadt von Shymkent
Draußen ist es bereits brütend heiß, obwohl es noch weit vor Mittag ist. Während die Hitze immer noch mehr zunimmt, gehen wir vom Bahnhof in die Stadt hinab und begeben uns auf die Suche nach einem Hotel. Wir sind erstaunt, wie sehr sich Shymkent von Almaty unterscheidet. Die Menschen haben hier dunklere Haut und auch ganz allgemein wirkt die Stadt eher orientalisch, ganz im Gegensatz zum asiatisch geprägten Almaty. Nach einem längeren Fußmarsch finden wir schließlich ein Motel und gehen ins Innere. Für umgerechnet rund 20 Euro pro Nacht bekommen wir ein klimatisiertes Doppelzimmer inklusive Frühstücksbuffet.
Shymkent Hotel
Ankunft im Hotel
Das Motel wirkt, als wäre es in einer ehemaligen Industriehalle eingerichtet worden. Die Wände des Zimmers bestehen aus unverputzten Backsteinen, die Decke ist eine Stahlträgerkonstruktion und die hoch in der Wand eingelassenen Fenster sind aus Glasbausteinen. Das eine Bett ist ein äußerst schmales Doppelbett, das andere ein ausklappbarer Liegesessel, der uns als „Transformer“ beschrieben wird. Geschafft von der Hitze draußen legen wir erst einmal die Füße hoch und lassen uns von einem russischen Musiksender berieseln. Erst am Nachmittag finden wir die Energie für einen Erkundungsgang durch Shymkent. Wir schlendern ein wenig durch die Straßen und lassen das Treiben auf uns wirken.
Shymkent Seidenstrasse
Unterwegs durch Shymkent
Irgendwann finden wir uns vor dem Zentralen Bazar von Shymkent wieder. Auf einer riesigen Fläche reihen sich die Stände aneinander. Angeboten wird alles, von Lebensmitteln über medizinische Produkte bis hin zu Möbeln. Die Stände sind teils unter Zeltdächern, teils in überdachten Hallen aufgebaut. Jeder noch so kleine Gang ist von Menschen überlaufen. Nach wenigen Metern haben wir bereits die Orientierung verloren.
Shymkent Bazar
Auf dem Weg zum Bazar
Das Geschacher an den Marktständen, die exotischen Waren und die kleinen Affen, die von ihren Besitzern (oder Verkäufern?) auf dem Bazar spazieren getragen werden, bilden eine derartig exotische Kulisse, dass wir gar nicht wissen wohin wir schauen sollen. Leider ist das Fotografieren ausdrücklich verboten und in Anbetracht der angespannten Stimmung, die über dem ganzen Markt liegt, halten wir uns lieber daran. Auch das laute Geschrei aus allen Richtungen und die kleinen Kinder, die uns um die Beine schleichen und ihre Hände in unsere Hosentaschen stecken, halten uns ständig im Alarmzustand. Schließlich finden wir uns in einer Ecke des Bazars wieder, wo es besonders laut hergeht, zugleich mehrt sich hier die Zahl schwerbewaffneter Polizisten, die mit ihren Kalaschnikows immer wieder wild gestikulieren. Am Ende wird uns die Situation zu unübersichtlich und wir sind froh, als wir am späten Nachmittag nach knapp zwei Stunden einen Ausgang aus dem Bazar finden. Auf dem Rückweg zum Motel stärken wir uns bei einem Straßenimbiss mit einer großen Portion köstlichen Schaschliks. Den restlichen Abend verbringen wir in unserem Zimmer.
Shymkent Kasachstan
Shymkent im Regen
Der nächste Morgen bringt zu unserem großen Erstaunen keinen Sonnenschein. Stattdessen ist nach der brütenden Hitze des Vortags der Himmel bedeckt und es fällt leichter Regen. In der Hoffnung auf ein Ende des Regens, verbringen wir den Vormittag im Motel und gehen erst spät zum Frühstückbuffet. Diesen Gang hätten wir uns jedoch auch sparen können. Es gibt Tee, altes Gebäck und Blinis, die nach Fisch und ranzigem Fett schmecken. Ohne mehr als eine Kleinigkeit gegessen zu haben, gehen wir wieder zu unserem Zimmer, packen die Rucksäcke zusammen und geben sie an der Rezeption ab. Draußen ist es immer noch bewölkt, aber wenigstens regnet es im Moment nicht. Als erstes gehen wir zu einem großen halbfertigen Monument zwischen Bahnhof und Innenstadt, das offenbar zu Ehren der kasachischen Unabhängigkeit errichtet werden soll. Auf halbem Weg dorthin beginnt es plötzlich heftig zu regnen. Also flüchten wir in ein Restaurant und bestellen zwei Gläser des einheimischen Bieres. Das Pils wird in geeisten Gläsern reserviert und ist in der schwülen Hitze ein Genuss. Als wir die Gläser geleert haben, hat auch der Regen nachgelassen. Kaum haben wir allerdings die Treppe zum Monument erreicht, setzt der Regen wieder ein.
Shymkent Denkmal
Blick vom Monument
Shymkent Monument
Vor der Kasachstan-Karte
Wir erklimmen trotzdem auch den Rest der Treppe und suchen Schutz in einer der kleinen, am Rande des Areals gelegenen Hütten. Abgesehen von den Hütten besteht das Monument noch aus einigen Marmorsäulen, eine große Marmorplatte mit einer Kasachstan-Karte und natürlich einem beachtlichem Arsenal an Baugeräten. Der Konzept hinter alldem erschließt sich uns jedoch nicht wirklich. Nachdem der Regen etwas nachgelassen hat, brechen wir wieder auf und schlendern noch ein wenig durch die Straßen. Dabei kommen wir auch an ein paar kleinen Holzhütten vorbei, die an das vorrussische Shymkent erinnern sollen. Schließlich finden wir uns vor dem Etnopark wieder, einem Vergnügungspark, der auch einige Restaurants beherbergt.
Essen Kasachstan
Burro Laghman
In eines davon setzen wir uns und bestellen eine Spezialität namens „Burro Laghman“. Der junge Kellner ist sehr an unserer Herkunft interessiert und fragt uns in schlechtem Englisch über Deutschland aus, sein Hauptaugenmerk scheint dabei auf den deutschen Autos zu liegen. Nach dem Essen bricht die Sonne wieder durch die Wolken und der Kellner verabschiedet sich herzlich von uns als wir gehen. Als nächstes wollen wir uns zwei große Shoppingmalls in der Nähe unseres Hotels ansehen. Zu unserer Überraschung finden wir in der einen Mall sogar das Café Linderhof, bei dem eine Kellnerin im Dirndl wohl die Gäste anlocken soll. Wir setzen uns trotzdem lieber in ein etwas authentischeres Café außerhalb der Mall.
Bahnhof Shymkent
Rückweg zum Bahnhof
Anschließend ist es schon Zeit, zum Bahnhof aufzubrechen. Wir holen das Gepäck aus dem Motel ab und gehen los. Nach dem regnerischen Vormittag hat die Sonne endgültig den Sieg über die dichten Wolken errungen und der regenfeuchte Boden verwandelt die Stadt in eine Freiluftsauna. Am Bahnhof setzen wir uns auf eine freie Bank am Bahnsteig und beobachten das bunte Treiben. Fliegende Händler warten auf die nächste Zugeinfahrt um ihre Waren im Zug zu verkaufen und kleine Kinder wuseln zwischen den Wartenden umher, singen oder rezitieren Gedichte, in der Hoffnung dafür ein paar Münzen zu erhalten.
Reisen TurkSib
Abfahrt aus Shymkent
Schließlich fährt der Zug ein und wir können einsteigen. Wir haben wieder ein Vier-Bett-Abteil, das wir mit einem älteren Ehepaar teilen. Die beiden werden von einem etwa gleichalten Mann ins Abteil begleitet. Als der bemerkt, das wir Fremde sind, fragt er, ob wir Deutsche seien. Wir bestätigen ihm das und zu unserer maßlosen Überraschung antwortet er in akzentfreiem Deutsch mit dem Sprichwort „Besser einmal gesehen als zehnmal gehört!“. Wir sind überrumpelt, bis wir auf die Idee kommen, dass es sich wohl um einen der wenigen in Kasachstan verbliebenen Wolgadeutschen handelt. Leider steht die Abfahrt des Zuges kurz bevor und der Mann verabschiedet sich rasch. Kurz darauf werden wir noch ein weiteres Mal auf Deutsch angesprochen. Ein paar Abteile weiter hat ein Österreicher sein Bett. Sonderlich gesprächig ist er jedoch nicht und nachdem wir erfahren haben, dass er in dem Zug bis zu Endhaltestelle in Moskau mitfahren will, wird unser Gespräch durch eine Polizeikontrolle im Zug beendet. Bald darauf legen wir uns auch schon schlafen, die schwüle Hitze in Shymkent hat uns geschafft.
Kasachstan Steppe
Impressionen...
Kasachstan Wueste
...Landschaft
TransSib Zugfahrt
...der kasachischen...
Am nächsten Morgen wachen wir erst spät auf. Die Landschaft erinnert mittlerweile eher an eine Wüste und hat kaum etwas mit der Steppenlandschaft vom gestrigen Abend gemeinsam. Außer einigen von hölzernen Strommasten gesäumten Sandpisten ist entlang der Gleise keine Spur menschlicher Besiedlung zu sehen.
Aralsee Wueste
Wüste kurz vor Aralsk
Eigentlich hätte der Zug längst Aralsk erreicht haben müssen, stattdessen halten wir immer wieder in kleinen Ortschaften und Horden von Händlern strömen jedes Mal in den Zug. Laut „Riba, Riba“ brüllend, wollen sie Fisch verkaufen, der geräuchert und aufgeschnitten über ihren Armen hängt. Für ein paar Tenge könnte man sich einen Würfel abreißen. Immerhin ist der Fisch ein Indiz, dass wir uns dem Aralsee nähern. Am frühen Nachmittag fährt der Zug in einen Bahnhof namens "Aral Tenizi" ein und einer Eingebung folgend steigen wir aus. Eigentlich sollte unser Zielbahnhof auf Russisch Aralskoe More("Aralsee") heißen. Aral Tenizi scheint die kasachische Übersetzung zu sein. Tatsächlich finden wir auf dem Bahnhofsvorplatz einen alten Mann, der uns bestätigt, dass wir in Aralsk sind.
Aralskoe More
Ankunft in Aralsk
Wir folgen der einzigen Straße, die vom Bahnhof weg führt und kommen schließlich zu einem metallenen Torbogen, der den Ortseingang von Aralsk markiert. Hier sind wieder mehr Menschen auf den Straßen unterwegs und prompt stehen wir im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wir fragen eine der Frauen nach einem Hotel und sie deutet auf eine staubige Seitenstraße. Nachdem wir dort eingebogen sind, finden wir einen heruntergekommenen Betonklotz, auf dessen Dach verblasste blaue Lettern den Namen „Hotel Aral“ verkünden.
Hotel Aralsee
Am Hotel Aral
Vor dem Eingang stehen zwei korpulente Frauen, die eine in Arbeitskleidung, die andere in einem bunten Kleid und üppig mit Goldschmuck behangen. Als wir nach der Rezeption des Hotels fragen, deutet die schmuckbehangene Frau mit einer ausladenden Armbewegung auf sich selber. Wie wir kurz darauf in einem bunten Kauderwelsch aus Russisch und Englisch erfahren, steht Madina vor uns. Sie ist die Besitzerin des Hotels, das zugleich auch das einzige des Ortes sei. Nachdem wir uns vorgestellt haben, bittet uns Madina in die mit abgewetzten Möbeln ausgestattete Lobby des Hotels und stellt uns vor die Wahl: Wir könnten einen Standard-Raum haben, der allerdings keinerlei Waschmöglichkeit habe, oder wir könnten die Präsidentensuite nehmen, die über eine Dusche verfüge.
Hotel Aral
Badezimmer der Präsidentensuite
Wir entscheiden uns für die Präsidentensuite deren Preis mit 7000 Tenge pro Nacht (~35 Euro) noch vertretbar ist. Nach einer eingehenden Untersuchung unserer Pässe führt Madina uns ins Obergeschoss und in die Präsidentensuite. Die ist zwar ähnlich schmuddelig und abgenutzt wie der Rest des Hotels, verfügt aber über einen voll ausgestatteten Konferenzraum, ein eigenes Bad, einen Kühlschrank und ein klimatisiertes Schlafzimmer. Wir gönnen uns eine Pause, dann starten wir einen Erkundungsgang durch Aralsk.
Aralskoe More
Spaziergang durch Aralsk
Die verlassenen Häuser und Fabriken, besonders aber der verlassene Hafen, in dessen Becken heute nur noch Sand zu finden ist, lassen uns an eine Geisterstadt denken. In den 1950er Jahren wurde mit der großangelegten Bewässerung der kasachischen Steppe begonnen, mit dem Ziel dort Baumwolle anzubauen. Dazu wurden auch fast sämtliche Zuflüsse des Aralsees gestaut, so dass der See nach und nach austrocknete. Heute ist der Pegel des Sees rund 20 Meter tiefer als er ursprünglich war und die einstige Hafenstadt Aralsk liegt mehr als 60 Kilometer Luftlinie vom neuen Ufer des Sees entfernt. Erst in jüngster Vergangenheit wurden Schritte unternommen, den Pegel des Sees wieder anzuheben.
Aralsk Hafen
Am ausgetrockneten Hafenbecken
Eine der Förderer von Projekten zum Thema Aralsee ist die Organisation "Aral Tenizi". Heute ist Sonntag und ihr Büro ist geschlossen; morgen jedoch wollen wir uns dort einen Fahrer vermitteln lassen, der uns zum heutigen Ufer des Aralsees fährt und uns auch die Schiffswracks zeigt, die der ausgetrocknete See zurückließ. Auf dem Rückweg zum Hotel finden wir nach einigem Suchen ein Lebensmittelgeschäft. Ein großes Sortiment hat der Laden nicht, der Großteil der Waren besteht aus verstaubten Einmachgläsern. Immerhin bekommen wir zwei Flaschen Wasser.
Hotel Aral
Im "Konferenzraum" des Hotels
Zurück im Hotel versuchen wir vergeblich den Fernseher auf einen englischsprachigen Sender umzustellen und halten stattdessen schließlich ein Nickerchen im klimatisierten. Als wir Abends noch einmal in die Stadt gehen, stellen wir überrascht fest, dass sämtliche Wasserflaschen in der Kühltruhe des Lebensmittelgeschäfts durch Wodkaflaschen ersetzt wurden, die offenbar reißenden Absatz finden. Obwohl es erst früher Abend ist, tummeln sich bereits eine Menge pöbelnder Betrunkener auf den Straßen. Im Lichte dieser neuen Erkenntnis kaufen wir nur ein paar Sachen fürs Abendessen und kehren ins Hotel zurück.
Hotel Aral
Lobby des Hotels
Voller Tatendrang machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Büro von Aral Tenizi. Dort werden wir von der resoluten Chefin der vierköpfigen Bürobesetzung angewiesen, uns zu setzen. Ihre Gesten und das russisch-englische Kauderwelsch interpretieren wir so, dass in wenigen Minuten ein englischsprachiger Mitarbeiter vorbeikäme. Nach einer Stunde kommt schließlich ein junger Mann herein und fragt auf Englisch, wie er uns helfen könne. Nachdem wir ihm unsere Pläne geschildert haben telefoniert er mehrmals. Dann teilt er mit, dass uns mittags ein Fahrer am Hotel abholen würde um mit uns zum Schiffsfriedhof und zum Seeufer zu fahren. Nachdem wir eine angemessene Vermittlungsgebühr bezahlt haben bekommen wir den Namen des Fahrers und das Autokennzeichen seines Jeeps genannt.
Aralsee
Fahrt auf dem trockenen Seegrund
Den restlichen Vormittag verbringen wir auf der schattigen Veranda des Hotels. Schließlich kommt ein alter russischer Militärjeep in ausgebleichtem Grün um die Ecke. Kennzeichen des Jeeps und Name des Fahrers stimmen, also steigen wir ein. Samalbek – so heißt der Fahrer – spricht leider kein Wort Englisch und wir sprechen kaum Russisch. Dementsprechend schnell sind alle Konversationsversuche erschöpft und Samalbek dreht das Radio auf. Die nachfolgenden Stunden werden abenteuerlich. Nach wenigen Minuten verlassen wir Aralsk und fahren fortan mit mindestens 60 Km/h über die holprigen Straßen auf dem ehemaligen Grund des Aralsees. Wie der klapprige Jeep ein solches Tempo auf diesem Untergrund überhaupt mitmacht ist uns schleierhaft: Das Getriebe macht unangenehme Geräusche, das Fahrwerk ebenso. Der Tacho zeigt eine knappe Million Kilometer an und das Interieur scheint von Panzertape zusammengehalten zu werden.
Schiffswrack Aralsee
Das größte erhaltene Wrack in Aralsk
Schiffsfriedhof Aralsee
Schiffswrack und Jeep
Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir den Schiffsfriedhof. Bis vor wenigen Jahren standen hier 15 Schiffe mitten im Wüstensand. Als das Wasser des Aralsees in den 1970er Jahren begann zu sinken, hatten die Fischer versucht, ihre Schiffe in einer Bucht zu sichern um sie bei steigendem Wasserpegel wieder in Betrieb zu nehmen. Doch der Pegel stieg nicht mehr - im Gegenteil. Schließlich lagen die Schiffe im Wüstensand. Von den ehemals 15 Kähnen sind heute jedoch nur noch drei zerpflückte Wracks über. Metalldiebe haben ganze Arbeit geleistet und den Rest zerlegt und abtransportiert.
Schiffswrack Wueste
Posieren vor dem Schiffswrack
Während wir die Schiffswracks inspizieren, öffnet Samalbek die Motorhaube des Jeeps um den Motor zu kühlen, dann macht er es sich auf dem Fahrersitz bequem. Wir schießen einige Bilder, dann kehren wir zum Jeep zurück und fahren zu einem etwas entfernteren kleinen Schiffswrack. Auch hier haben Metalldiebe gewütet, von dem Boot sind nur noch der Bug und das Heck über, dazwischen erstreckt sich Wüstensand. Erneut verbringen wir einige Zeit fotografierend, dann geht es zum Ufer des Aralsees weiter.
Aralsee Ufer
Am Ufer des Aralsees
Wie wir Samalbeks Erklärungen zu entnehmen meinen, ist der Wasserstand jetzt im Sommer noch einmal rund zwei Meter tiefer als im Winter. In unseren Augen sieht der See dennoch beeindruckend groß aus. Wir haben eher das Gefühl, als hätten wir ein Meer vor uns. Während Samalbek am Jeep wartet, wandern wir das Ufer ein kleines Stück weit entlang und bewundern die Natur rund um den See. Als wir uns schließlich sattgesehen haben, fahren wir zurück nach Aralsk. Am späten Nachmittag halten wir schließlich wieder vor dem Hotel und verabschieden uns von Samalbek. Erschöpft von der Hitze verbringen wir den restlichen Abend im Hotel.
Aralsk Hafen
Am Hafentor von Aralsk
Am nächsten Morgen fragen wir, ob wir noch bis zum Nachmittag im Hotelzimmer bleiben könnten. Unser Zug wird schließlich erst am Abend abfahren. Für einen kleinen Obolus ist das natürlich möglich. Den restlichen Tag verbringen wir mit einem weiteren Spaziergang durch Aralsk. Grade als wir ein paar Fotos am ehemaligen Hafen machen, trottet plötzlich ein Kamel aus einer der Seitenstraßen. Uns kommt der Gedanke, wie surreal die Situation eigentlich ist. Wir stehen am Rand eines sandgefüllten Hafenbecken und ein Kamel leistet uns Gesellschaft.
Aralsee Hafen
Kamel auf der Hafenpromenade
Am Nachmittag checken wir schließlich im Hotel aus, gehen zum Bahnhof und nehmen auf einer Bank am Bahnsteig Platz. Das Warten wird nicht langweilig. Bald sind wir von einer großen Runde Kasachen jeden Alters umringt und werden neugierig beäugt. Schließlich beginnt ein älterer Mann mit uns zu reden. Verstehen können wir ihn nicht, ihn scheint das jedoch nicht zu stören. Als nach einiger Zeit ein Zug einfährt, löst sich die Runde auf. Der alte Mann schüttelt uns die Hand und verabschiedet sich mit einem Bruderkuss, dann steigt auch er in den eingefahrenen Zug. Wir bleiben alleine auf dem Bahnsteig zurück. Bald darauf fährt endlich auch unser Zug ein. Laut Zugbeschilderung fährt er von Bischkek bis nach Moskau – für uns heißt es also willkommen in der TurkSib. Aus zwei Gründen sind wir aufgeregt: In einigen Stunden werden wir die kasachisch-russische Grenze erreichen und zum ersten Mal fahren wir in der Wagenklasse Platzkartnie. Das bedeutet 54 Betten in jedem einzelnen Waggon, ohne Trennwände oder Privatsphäre.
Kasachstan Grenze
Im Zug nach Russland
Im Zug ballen sich die Gerüche zu einer regelrechten Wand zusammen, es stinkt nach Schweiß, heißem Plastik, Essen und wer weiß was noch. Jeder freie Winkel ist mit Gepäckstücken beladen. Nachdem wir mit den Rucksäcken durch die drangvolle Enge zu unseren Schlafplätzen vorgedrungen sind, überrascht es uns wenig, dass die Betten bereits von einer Mutter mit zwei Kindern belegt sind. Zu verstehen scheint uns niemand, aber nach kurzer Zeit kommt die Schaffnerin hinzu und nach einigem unverständlichen Gezeter haben wir die Betten für uns. Die Mutter mit ihren beiden Töchtern bekommt eine Koje am Gang zugewiesen und blickt uns fortan finster an. Der Vater hingegen bleibt mit seinem Sohn uns gegenüber sitzen und lächelt uns immer wieder freundlich zu.
TurkSib Fahrt
Im Gespräch mit Katja und Aljona
Die Aufregung um unsere Schlafplätze sorgt dafür, dass wir noch mehr auffallen, als wir es sowieso schon getan hätten. Und so kommt es, dass mir kurze Zeit später eine junge Frau einen Zettel mit ihrer E-Mail-Adresse zusteckt. Noch während wir perplex den Zettel anstarren, kommt die junge Frau mit einer weiteren Frau zu uns zurück und die beiden setzen sich uns gegenüber. Eine von beiden spricht ein paar Brocken Englisch und mit der zusätzlichen Hilfe eines Wörterbuchs unterhalten wir uns ein wenig. Wir erfahren, dass Katja und Aljona in Russland studieren und werden im Gegenzug über unser Studium und Deutschland allgemein ausgefragt. Später stößt noch ein russisches Ehepaar mittleren Alters hinzu. Da wir alle nicht allzu viel von dem verstehen, was die anderen sagen, sitzen wir bald da und zeigen uns gegenseitig Urlaubsbilder. Offenbar kommen sowohl Katja und Aljona als auch das russische Paar grade von einem Urlaub in einem kirgisischen Nationalpark zurück.
Kasachstan Steppe
Letzter Abend in Kasachstan
Erst tief in der Nacht gehen alle zu ihren Schlafplätzen zurück und wir versuchen noch ein wenig Schlaf zu finden. In der Morgendämmerung werden wir von einer der Schaffnerinnen geweckt; in Kürze werden wir die Grenze erreichen. Wieder werden Migrationskarten verteilt. Während wir den Zettel ausfüllen, werden wir genauestens von der Schaffnerin überwacht. Und natürlich machen wir irgendeinen Fehler beim Ausfüllen der Formulare. Kommentarlos sammelt die resolute Frau unsere Pässe ein und verschwindet. Erst als der Zug schon auf dem Wartegleis vor dem Grenzbahnhof angehalten hat, kommt sie mit den Pässen und zwei sauber von ihr ausgefüllten Migrationskarten zurück. Nur unterschreiben müssen wir noch selber.
Migrationskarte Russland
Russische Migrationskarte
Kurze Zeit später betritt ein Trupp kasachischer Grenzbeamten den Zug und sammelt die Papiere der Reisenden ein. Dann passiert beinahe zwei Stunden gar nichts mehr. Erst als der Zug sich längst wieder in Bewegung gesetzt hat, werden die Pässe zurückgegeben. In ihnen prangt nun ein kasachischer Ausreisestempel. Eine Stunde später hält der Zug erneut, diesmal für die russische Einreisekontrolle. Gemeinsam mit einer Gruppe unmotivierter Zollbeamter betritt eine streng blickende Grenzbeamtin mit Kleopatra-Haarschnitt den Waggon. Sie betrachtet jeden Reisenden skeptisch, nimmt dann einen großen Stempel aus einem Holster an ihrer Seite und knallt ihn mit Wucht auf die Pässe. Bald darauf setzt sich der Zug wieder in Bewegung – WIR SIND IN RUSSLAND!!!


2. Russland

Orenburg Hotel Fakel
Ankunft in Orenburg
Gegen Mittag erreichen wir schließlich Orenburg, wo für uns die Zugfahrt erst einmal endet. Wir könnten zwar auch direkt bis Moskau durchfahren, dies würde aber weitere 26 Stunden Fahrtzeit bedeuten. Stattdessen wollen wir uns lieber eine erholsame Nacht in irgendeinem Hotel gönnen und morgen Abend in den Nachtzug nach Moskau steigen. Tatsächlich finden wir in der Nähe des Bahnhofs das Hotel „Fakel“ und lassen uns ein Zimmer geben. Nach einer kurzen Pause brechen wir zu einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt auf. Als wir aber beobachten, wie eine Kolonne von rund 30 schwarzen Fahrzeugen am Bürgersteig gleich nebenan hält und sich einige unangenehme Gestalten unter das Publikum mischen, kehren wir doch lieber wieder um und gehen früh schlafen.
Hotel Fakel Orenburg
Unser Hotelzimmer
Erholt wachen wir am nächsten Morgen auf, packen unsere Rucksäcke und machen uns auf die Suche nach dem Frühstücksbuffet. Tatsächlich finden wir im Erdgeschoss den Speisesaal, wo uns ein reichliches Frühstück erwartet, bestehend aus den aufgewärmten Resten des Abendessens. Kaum sind wir in unserem Zimmer zurück, da ruft auch schon eine Rezeptionistin an und fragt ob sie die Reinigungskraft zu uns schicken könne um das Zimmer zu kontrollieren und den Schlüssel einzusammeln. Wir stimmen etwas verwirrt zu und kaum zwei Minuten später unterzieht eine resolute Frau das Zimmer einer intensiven Untersuchung. Dann lächelt sie, nimmt uns den Schlüssel ab und wir dürfen gehen.
TransSib Waggon
Auf der langen Fahrt nach Moskau
Rasch eilen wir zum Bahnhof, denn dort ticken die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes anders. Alle russischen Züge fahren nach Moskauer Zeit, die sich um immerhin zwei Stunden von der Orenburger Orszeit unterscheidet - unser Zug wird also in Bälde abfahren. Rasch kaufen wir noch etwas Proviant, dann wird der Zug auch schon bereitgestellt und wir steigen ein. Die Schaffnerin beäugt unsere in Deutschland ausgestellten Tickets mehr als skeptisch. Offenbar kann sie mit der lateinischen Beschriftung nichts anfangen. Erst nachdem sie die Fahrkarten dem Bahnhofsvorsteher gezeigt hat, scheint alles geklärt. Ihr vorher finsterer Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein Lächeln und wir bekommen sogar einen Tee serviert.
Samara TransSib
Fahrt durch Samara
Und so beginnt die mit 26 Stunden längste Zugfahrt dieser Reise. Die meiste Zeit fahren wir durch menschenleere Steppen- und Graslandschaften, die gelegentlich von ein paar Ölfeldern abgelöst werden. Erst am späten Abend erreichen wir Samara, die erste Großstadt auf der Strecke. Die anschließende Nacht wird unruhig. Offenbar ist das Land hier wieder dichter besiedelt. Immer wieder hält der Zug in gesichstlosen Kleinstädten und die Mitfahrer in unserem Abteil wechseln; an Schlaf ist kaum zu denken. Müde geben wir den Versuch zu schlafen in den frühen Morgenstunden endgültig auf und widmen uns einem Hörbuch.
Moskau Metro
Metro-Ticket für die Fahrt
zum Hostel in Moskau
Am Nachmittag erreichen wir endlich Moskau und sind froh, der Enge des Bahnabteils entkommen zu sein. Mit der Metro fahren wir vom Bahnhof in die Innenstadt. Die Metrostationen sind zwar wirklich so prunkvoll wie immer wieder berichtet, aber die schlechte Luft in den Zügen und die drangvolle Enge machen es nicht leicht, dies zu würdigen. Nachdem wir unser Gepäck im Hostel abgelegt haben, brechen wir zu einem ersten Streifzug durch Moskau auf und finden uns bald darauf auf dem Arbat wieder. Nach dem ruhigen Kasachstan ist die quirlige Einkaufsstraße mit ihren vielen westlichen Geschäften ein regelrechter Kulturschock. Mit staunenden Augen lassen wir uns von den Menschenmassen bis zum Ende der Flaniermeile mitreißen.
Buran Moskau
Raumfähre Buran im Moskauer Gorki-Park
Kurz entschlossen gehen wir anschließend noch zum Gorki-Park weiter, der allerdings eher verlassen wirkt. Trotzdem spazieren wir durch die Anlage und stoßen am Ufer des Moskwa auf die Buran, ein Relikt des sowjetischen Raumfahrtprogramms. Schließlich wechseln wir auf das gegenüberliegende Ufer der Moskwa. Der Himmel hat sich während des ganzen Nachmittags immer weiter verfinstert und kaum haben wir das andere Ufer des Moskwa erreicht, bricht ein sintflutartiger Regenschauer los. Wir können uns gerade noch unter die Bögen der nächsten Brücke retten. Nach ein paar Minuten ist der Spuk schon wieder vorbei. Die Straße ist zwar immer noch überflutet, aber die Wolken am Himmel sind verflogen und die Sonne bricht durch. Wir nutzen den Abend noch für einen Abstecher zur Christi-Erlöser-Kirche (Храм Христа Спасителя), deren goldene Kuppel im Licht der Abendsonne einfach magische aussieht. Nach einem letzten Blick auf den nahen Kreml gehen wir schließlich zum Hostel zurück.
Christi Erloeser Kirche Moskau
Christi-Erlöser-Kirche
Am nächsten Morgen brechen wir früh vom Hostel auf. Der Fußweg zum Kreml ist nicht sehr weit. Unterwegs kaufen wir bei einer Bäckerei in einer Unterführung bei der Lenin-Bibliothek unser Frühstück und setzen uns auf eine freie Bank im Alexander-Garten zu Fuße des Kremls.
Erloeserturm Moskau
Südseite des Roten Platzes
Trotz der frühen Uhrzeit schieben sich bereits die ersten Touristengruppen durch den Park. Um wenigstens dem größten Ansturm von Touristen zu entkommen beeilen wir uns mit dem Frühstück und stehen kurz darauf bereits an der Sicherheitsschleuse am Eingang zum Roten Platz. Der Platz selber ist leider mit einer großen Bühne vollgestellt; in ein paar Tagen wird hier ein Militärmusikfestival stattfinden. Nach einem raschen Blick auf das Historische Museum, das Lenin-Mausoleum und das Kaufhaus GUM, gehen wir genervt von den Menschenmassen zur Basilius-Kathedrale (Храм Василия Блаженного) weiter. Auch in der Kathedrale sind viele Touristen unterwegs, trotzdem schmälert dies den Eindruck der Wandmalereien und der Architektur kaum. In der Mitte befindet sich die zentrale Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche, die von acht weiteren Kirchen umgeben ist, jede gekrönt von einem der berühmten bunten Zwiebeltürme.
Basilius Kathedrale Moskau
Ikonostasen...
Basilius Kathedrale Moskau
...Altäre in der Kathedrale
Basilius Kathedrale Moskau
...Wandmalereien...
Von der Kathedrale aus gehen wir zur Moskwa hinunter und umrunden die Außenmauer des Kreml. Den restlichen Tag verbringen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Straßen Moskaus, besuchen den Eremitrage-Garten und den Arbat.
Arbat Moskau
Abends auf dem Arbat
Als wir am späten Abend im Hostel zurück sind und uns mit unserem Abendessen in die Lounge gesetzt haben, treffen wir noch Thomas, einen österreichischen Studenten. Wir verbringen den restlichen Abend gemeinsam bei einem Bier und tauschen uns über unsere Reisepläne aus. Thomas ist grade von einer Sprachschule am Baikalsee zurückgekehrt und wird morgen nach Kiew weiterfahren. Spät in der Nacht gehen wir schließlich todmüde zu Bett.
Ticket Kreml
Ticket für den Kreml
Auch der nächste Morgen bringt wieder strahlenden Sonnenschein. Eigentlich wollen wir noch vor der Mittagshitze zum Bulgakov-Museum. Vorher frühstücken wir jedoch wie gestern auf einer Parkbank im Alexandergarten. So kommt es, dass wir bemerken, wie kurz die Schlange vor dem Ticketbüro des Kremls ist. Spontan kaufen wir ein Ticket und gehen zum Eingang.
Beeindruckend ist es, das Zentrum der politischen Macht in Russland, von einem architektonischen Highlight geht es zum nächsten. Die Palastbauten sind ebenso imposant wie die verschiedenen Kirchen. Allerdings fühlt man sich durch die vielen Polizisten permanent beobachtet. Als wir an einer Stelle ein klein wenig von dem als Zebrastreifen über die Straße führenden Besichtigungsrundgang abweichen, werden wir sogleich unter bösen Blicken und mit Hilfe einer Trillerpfeife auf den Zebrastreifen zurück dirigiert.
Kathedrale Kreml
Mariä-Verkündigungs-Kathedrale
Krempalast
Großer Kremlpalast
Zarenkanone
Zarenkanone
Nach einem letzten Blick auf die von Touristen belagerte Zarenkanone und die geborstene Zarenglocke, verlassen wir den Kreml wieder.
Bulgakov Moskau
Vorm Bulgakov-Museum
Da die Hitze inzwischen unerträglich geworden ist, legen wir mittags eine Pause im Hostel ein und brechen erst nachmittags zum Bulgakov-Museum auf. Die kleine Ausstellung dort ist zwar leider nur russisch beschildert, aber schon alleine das Café in der ehemaligen Wohnung des Schriftstellers ist einen Besuch wert. Auch der Patriarchenteich, einer der Schauplätze im Roman "Der Meister und Margarita" ist ganz in der Nähe. Den Teufel finden wir dort zwar nicht, aber der Park in dem der Teich liegt, ist eine Ruheinsel im lärmenden Moskau. Auf dem Rückweg in Hostel flanieren wir wieder einmal über den Arbat, auf dem am Abend allerlei Schausteller die Passanten in ihren Bann ziehen.
Nullpunkt Moskau
Auf dem Nullpunkt des
russischen Straßennetzes
Am nächsten Morgen ist das Wetter immer noch gut. Für den heutigen Tag steht ein Besuch des Lenin-Mausoleums auf unserem Plan. Doch als wir am Vormittag dort ankommen, müssen wir feststellen, dass es heute geschlossen ist. Also schlendern wir stattdessen zum im Straßenpflaster markierten Nullpunkt aller russischen Straßen. Das große Messingrelief ist direkt vor den Toren des Roten Platzes in den Boden eingelassen und ein beliebtes Fotomotiv. Ein Aberglaube besagt, dass es Glück bringen soll, wenn man auf dem Nullpunkt stehend eine Münze über seine linke Schulter wirft. Tatsächlich kommen dem offenbar so viele Touristen nach, dass ein paar alte Frauen bereitstehen, um jede Münze aufzuklauben sobald sie den Boden berührt. Auch wir lassen uns zu einem Nullpunktbild hinreißen und gehen anschließend zum English Court weiter, der mit rund 500 Jahren ältesten britischen Botschaft in Russland. Von dort ist es nicht weit bis zum Alt-Neu-Platz und dem Kitai-Gorod mit der Synagoge von Moskau.
KGB Moskau
Die Lubjanka - Zentrale des KGB
In der Nähe ist auch die Lubjanka zu finden, die ehemalige Zentrale des KGB. Ein wuchtiger ockerfarbener Gebäudekomplex, der genauso unfreundlich aussieht wie man es erwarten würde. Schließlich gehen wir noch am berühmten Bolschoi-Theater vorbei, und kehren nach einem leichten Abendessen in einem SB-Restaurant am Arbat ins Hotel zurück. Während wir in der Gemeinschaftsküche des Hotels sitzen und Pläne für den morgigen Tag schmieden, kommt ein älterer Mann herein, den wir bislang noch nicht im Hostel gesehen hatten. Er bereitet sich Rührei und Würstchen zu, dann zieht er eine Wodkaflasche aus seiner Einkaufstasche und kommt mit den Worten "Drink with me" auf uns zu.
Hostel Moskau
Abend im Hostel
Erst wollen wir ablehnen, aber was wäre eine Russlandreise ohne ein solches Erlebnis. Außerdem sind wir zu dritt und die Wodkaflasche hat nur 0,5l Inhalt. Doch es kommt wie es kommen muss. Nach einiger Zeit gesellt sich ein weiterer Russe dazu und als der Rezeptionist auf ein Gläschen in die Küche kommt, ist die Flasche bereits leer. Kein Problem für unseren Gastgeber, denn im Erdgeschoss des Nachbarhauses ist ein Schnapsgeschäft. Wenig später stehen also zwei weitere Wodkaflaschen auf dem Tisch. Gegen Mitternacht schließlich sind alle Flaschen leer, das Rührei ist aufgegessen und Würstchen sind auch keine mehr da. Müde und alles andere als nüchtern verabschieden wir uns und gehen schlafen.
Lenin Mausoleum Moskau
Lenin-Mausoleum an der Kreml-Mauer
In Anbetracht des langen Abends sind wir am nächsten Tag erst spät auf den Beinen und brechen zum Roten Platz auf. Wir wollen an unserem letzten Tag in Moskau schließlich noch das Lenin-Mausoleum sehen. Nachdem wir die Sicherheitsschleuse passiert haben, gelangen wir in einen abgesperrten Korridor entlang der Kremlmauer, wo sich die Gräber aller Sowjet-Staatschefs befinden. Ganz am Ende dieses Korridors steht das Mausoleum. Interessiert stellen wir fest, dass auf sämtlichen Gräbern zumindest ein paar Blumen liegen - auf dem Grab Stalins jedoch liegt ein ganzer Berg frischer Blumen. Und dann stehen wir auch schon vor dem Mausoleum. Im Inneren des klobigen Marmorbaus empfängt uns eisige Kälte. Durch einen schummrig beleuchteten Gang kommen wir in die eigentliche Grabkammer, in deren Mitte Lenin hell angestrahlt in einem Glassarkophag liegt. Wir werfen einen kurzen Blick auf den Toten, der durch die Konservierung irgendwie unnatürlich und wie aus Plastik aussieht, dann werden wir von den nachrückenden Touristen aus dem Mausoleum wieder hinaus in die Mittagshitze auf dem Roten Platz geschoben.
Kreuzerhoehungskirche Moskau
Vor der Kreuzerhöhungskirche
Zwei Abende zuvor hatte Thomas uns empfohlen, einen Blick auf die etwas außerhalb gelegene Kreuzerhöhungskirche (Храм Воздвижения Креста Господня на Чистом Вражке) zu werfen. Da wir noch Zeit bis zur Abfahrt haben, machen wir uns kurzerhand auf den Weg dorthin. Leider ist die Kirche weniger interessant als wir erhofft hatten und so schlendern wir noch ein wenig durch die angrenzenden Seitenstraßen. Schließlich setzen wir uns an einen Brunnen in einem kleinen Park inmitten einer Hochhaussiedlung. Eigentlich wollten wir nicht lange bleiben, aber es ist angenehm kühl im Halbschatten neben dem Brunnen und irgendwann bemerken wir, dass es das vielleicht authentischste Bild von Moskau ist, das wir von dieser Reise mitnehmen werden. Um uns spielen Kinder, auf einer Bank ein paar Meter entfernt unterhalten sich drei alte Mütterchen, mit Einkäufen beladene Frauen marschieren durch die Wege des Parks und zwei ältere Männer sind in ein Schachspiel vertieft.
Moskau bei Nacht
Abschied von Moskau
Schließlich ist es Zeit, unser Gepäck im Hostel abzuholen. Dort treffen wir noch den Rezeptionisten vom gestrigen Abend. Er erzählt uns, dass der Mann, mit dem wir getrunken hätten am Vortag in Uniform und mit umgeschnallter Dienstwaffe ins Hostel gekommen wäre. Trotz seiner Befürchtungen sei die Anwesenheit des Mannes offenbar aber doch nur privater Natur gewesen. Amüsiert über diese neue Erkenntnis verabschieden wir uns und fahren mit der Metro zum Bahnhof Kiewskaja, von wo unser Nachtzug in die ukrainische Hauptstadt abfahren soll.
Nachtzug Moskau Kiew
Im Zug nach Kiew
Obwohl die Abfahrt noch eine Stunde hin ist, steht der Zug schon bereit und just die Tür unseres Waggons ist sogar offen. Im Eingang steht ein dicker Mann in einem knallroten Trainingsanzug und raucht. Neben ihm steht eine ebenso korpulente Frau in einem blauen Trainingsanzug. Sie bedeuten uns, dass sie die Schaffner seien. In den Zug könnten wir noch nicht, aber wir könnten ihnen ja schon einmal die Fahrausweise zeigen. Die Tickets werden sehr genau beäugt, dann lächelt uns der Mann zu und nickt. Kurz darauf verschwinden beide im Inneren des Zuges und kommen in voller Schaffner-Montur wieder heraus. Endlich dürfen auch wir in den Waggon. Diesmal haben wir ein Vier-Bett-Abteil, das wir aber die gesamte Fahrt über für uns alleine behalten.
Migrationskarte Ukraine
Ukrainische Migrationskarte
Wir erreichen die Russisch-Ukrainische Grenze kaum zwei Stunden nach der Abfahrt. Während sich die russischen Zöllner mit einer Tasse Tee im Schaffner-Abteil begnügen, werden Pässe und Migrationskarten von den Grenzpolizisten inspiziert. Nachdem die russischen Ausreisekontrollen beendet sind und der Zug die wenigen Kilometer bis zum ukrainischen Grenzposten vorgefahren ist, passiert lange gar nichts. Wir nutzen die Zeit, um die vom Schaffner verteilten ukrainischen Migrationskarten auszufüllen. Dann schließlich kommen doch noch zwei gelangweilte Polizisten ins Abteil, sammeln die beiden für die Einreise vorgesehenen Hälften unserer Migrationskarten ein und verschwinden wieder. Den Zoll bekommen wir auch diesmal nicht zu Gesicht. Erst weit nach Mitternacht geht die Fahrt weiter und wir legen uns endlich schlafen.
Landschaft Ukraine
Ein Neues Kapitel: Ankunft in der Ukraine - Blick aus dem Nachtzug im Morgengrauen


3. Ukraine

Geweckt werden wir am frühen Morgen vom Sonnenaufgang. Der Zug fährt grade durch nebelbedecktes Grasland, das im rötlichen Licht des Sonnenaufgangs phantastisch aussieht.
Skyline Kiew
Ankunft in Kiew
Laut des Fahrplans sollte der Zug bereits in einer Stunde in Kiew einfahren, doch die Landschaft sieht dermaßen unberührt und menschenverlassen aus, dass das undenkbar erscheint. Tatsächlich dauert es bis zum späten Vormittag, bis der Zug Kiew erreicht. Die ungastlichen Hochhaussiedlungen entlang der Zugstrecke sehen wenig vielversprechend aus, aber als wir aus dem Bahnhof heraustreten, sind wir doch positiv überrascht. Die ukrainische Hauptstadt vermittelt erstaunlicherweise auf Anhieb eine ganz andere Atmosphäre als Moskau. Die Menschen sehen vielfach südländischer aus, das Treiben auf den Straßen wirkt chaotischer und lauter. Nicht zuletzt sind die Bauwerke ein wenig kleiner als im gigantomanischen Moskau.
Metro Kiew
Metro in Kiew - Fahrt in die Tiefe
Nach einem kleinen Frühstück am Bahnhof brechen wir mit der Metro in die Innenstadt auf. Hatten wie die Metro in Moskau schon für beeindruckend gehalten, so bleibt uns bei der in Kiew die Luft weg. Die Tunnel sind dutzende Meter unter der Erde, hinunter führen nur Rolltreppen. Die fahren nicht nur deutlich schneller als deutsche Rolltreppen, sondern weisen auch eine erheblich größere Steigung auf. Trotz der hohen Geschwindigkeit fährt die Rolltreppe rund zwei Minuten, während denen man mit Musik beschallt wir. Die Metro-Fahrt selber dauert nur drei Stationen, dann sind wir in der Innenstadt und brechen zu einer ersten Besichtigungstour auf.
Majdan Kiew
Auf dem Majdan in Kiew
Plötzlich finden wir uns inmitten eines Menschenauflaufs wieder. Von zwei Bühnen keifen sich Redner in ohrenbetäubender Lautstärke an, umringt sind beide Bühnen von Plakate schwingenden Demonstranten. Offenbar geht es um die inhaftierte Oppositionspolitikerin Timoschenko. Rasch sehen wir zu, dass wir der Demonstration wieder entkommen und lehnen die von verschiedenen Seiten angebotenen Flugblätter ab. Unweit der Demonstration finden wir tatsächlich ein Hotel mit moderaten Preisen und lassen uns ein Zimmer geben.
Kiew Innenstadt
Blick auf das nächtliche Kiew
Nach der langen Zugfahrt und der Hitze in der Stadt entspannen wir uns ein wenig. Nachmittags gehen wir schließlich noch einmal in die Stadt und kaufen in einem nahegelegenen Supermarkt ein. Auf dem Rückweg fragen wir an der Rezeption, ob es einen Wäsche-Service gibt. Daraufhin wird der offenbar betrunkene Sicherheitsmann herbeigerufen, der uns zum Zimmer begleitet, die Wäsche mitnimmt und später, noch betrunkener, gewaschen wieder zurückbringt. Wir hängen die Wäsche zum Trocknen auf dem Balkon auf und genießen noch ein wenig den fabelhaften Ausblick vom Balkon auf das nächtliche Kiew.
Zugticket Ukraine
Ukrainisches Bahnticket
Nach einer erholsamen Nacht gehen wir am nächsten Morgen zu einem nahegelegenen Büro der ukrainischen Staatsbahn um unsere Weiterfahrt zu planen. Nach einem Blick auf den Aushangfahrplan beschließen wir, den Nachtzug morgen Abend nach Odessa zu nehmen. Am Fahrkartenschalter präsentieren wir der unfreundlichen Verkäuferin einen Zettel mit der kyrillischen Aufschrift "Odessa" und der Abfahrtszeit des Zuges.
Ehrenpark Kiew
Weg durch den Slava Park
zum Höhlenkloster
Ohne mehr als einen flüchtigen Blick auf den Zettel zu werden, schickt sie uns mit einer unfreundlichen Handbewegung und dem Hinweis "No English" weg. Noch während wir über so viel Unfreundlichkeit staunen, kommt eine junge Ukrainerin dazu, die unser Problem offenbar mitbekommen hat. In fließendem Englisch fragt sie uns, welchen Zug wir nehmen wollten und erklärt der Schalterbeamtin anschließend unser Anliegen. Die quittiert das alles zwar mit einem unheilvollen Blick, stellt uns aber die Tickets aus. In der zweiten Klasse gibt es für diesen Zug keine freien Plätze mehr, aber wir bekommen immerhin zwei Liegeplätze in der dritten Klasse "Platzkartnie". Wir bedanken uns artig bei unserer Helferin und verlassen das Ticketbüro wieder.
Anschließend brechen wir zu Fuß zum Höhlenkloster von Kiew auf (Києво-Печерська лавра), das nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe ist, sondern zugleich auch die größte Sehenswürdigkeit der Stadt. Schon von Außen ist der Anblick des Klosters mit der Vielzahl an goldenen Kuppeln spektakulär. Im Inneren der Klostermauern setzt sich das beeindruckende Bild fort. Das Kloster unterteilt sich in die Obere und die Untere Lawra (Лавра). Verschiedene reich geschmückte Kirchengebäude reihen sich in der Oberen Lawra aneinander. Neben der wiederaufgebauten Uspenski-Kathedrale (Успенський собор) erweist sich besonders die Dreifaltigkeitskirche (Троїцька Надбрамна церква) in Innenausstattung und Architektur als beeindruckend.
Uspenski Kathedrale
...und Seitenansicht
Dreifaltigkeitskirche
Dreifaltigkeitskirche
Uspenski Kathedrale
Front der Uspenski-Kathedrale...
In der Unteren Lawra erwarten uns schließlich die Katakomben. Elektrisches Licht gibt es dort nicht. Wenn man ins Innere will, muss man sich am Eingang eine dünne Bienenwachskerze kaufen. Der Gang in die Katakomben ist ein beeindruckendes Erlebnis.
Hoehlenkloster Kiew
Weg zur Unteren Lawra
Die in den Fels gehauenen Gänge sind eng, die Decke von den Kerzen tausender Besucher schwarz gefärbt. In kleinen Kammern und entlang der Gänge stehen Sarkophage mit den in reich bestickte Tücher eingewickelten Gebeinen von Mönchen des Klosters. Gleichzeitig ist es erstaunlich warm und in dem spärlichen Licht der Kerzen lässt sich kaum sagen, ob dies wirklich das 21. Jahrhundert ist oder das Mittelalter. Gläubige, die beten möchten, können noch tiefer in die Katakomben hineingehen, wir jedoch kehren wieder an die Oberfläche zurück.
Kreschatik Kiew
Spaziergang entlang des Kreschatik
Draußen empfängt uns warmer Sonnenschein und wir machen uns auf den Weg zurück in die Innenstadt. Nachdem wir noch ein wenig dem geschäftigen Treiben auf dem Kreschatik (Хрещатик), der Hauptstraße, gefolgt sind kehren wir schließlich für eine Verschnaufpause ins Hotel zurück. Erst abends verlassen wir es wieder um Essen zu gehen. Wir haben von einem ziemlich ungewöhnlichen Restaurant ganz in der Nähe des Hotels gehört, dem Rolling Stones Diner. Tatsächlich ist in dem kleinen Bungalow alles mit Fanartikeln der ältesten Rockband der Welt dekoriert, im Hintergrund werden selbstverständlich nur ihre Titel gespielt. Auch das Essen ist den gleichen Stilregeln unterworfen, und so bestellen wir "Ruby Tuesday" und "The Rolling Stones" als Gericht. Gesättigt und müde sind wir schließlich spät abends im Hotel zurück und gehen schlafen.
Chimaeren Haus Kiew
Chimären-Haus
Nach der Hitze der vergangenen Tage ist es am nächsten Morgen erstmals bedeckt. Wir packen unser Rucksäcke zusammen und geben sie bei der Rezeption in Verwahrung. Anschließend machen wir uns auf die Suche nach dem so genannten Chimären-Haus (Будинок з химерами). Ein exzentrischer Architekt soll das ungewöhnlich dekorierte Haus im 19. Jahrhundert erbaut haben. Heute gilt es als architektonisches Highlight der Stadt. Nach etwas Suchen entdecken wir das Haus zwar, finden es aber bei weitem nicht so interessant wie beschrieben.
Sophienkathedrale Kiew
Sophienkathedrale
Eigentlich wollen wir anschließend das Gepäck abholen und zum Bahnhof gehen, doch wir haben noch fast zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Zuges und folgen daher spontan einem Wegweiser zur Sophienkathedrale (Софійський собор). Der fast tausend Jahre alte Bau ist ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als herausragendes Architekturdenkmal der Ukraine. Beinahe zu ausgiebig bewundern wir die Schönheit der Kathedrale, so dass wir um ein Haar unseren Zug verpassen. Grade einmal fünf Minuten vor Abfahrt des Zuges erreichen wir den Bahnsteig. Es ist erst Nachmittag, Odessa sollen wir am nächsten Morgen um sechs erreichen. Doch die Zeit wird lang. Anders als in den russischen Nachtzügen, sind die Pritschen in den ukrainischen Nachtzügen dünn gepolstert und unbequem. Außerdem sind die Betten gegenüber unserer Plätze von drei zweifelhaft begabten Nachwuchsrockstars belegt. Die ganze Nacht flirten sie mit der jungen Schaffnerin und spielen Proben ihres fragwürdigen Könnens vor.
Odessa Hafen
Ankunft in Odessa
Immerhin ist der Zug am nächsten Morgen pünktlich in Odessa. Es ist noch dunkel und wir verbringen die letzte halbe Stunde vor dem Sonnenaufgang in einem Schnellimbiss und frühstücken. Als es endlich hell ist gehen wir zum Meeresboulevard hinab, einer breiten Flaniermeile einige Meter oberhalb der Küste und des Hafens. Wir genießen einige Zeit das sanfte Morgenlicht über den Wellen des Schwarzen Meeres unter uns, dann begeben wir uns auf die Suche nach einem Hotel.
Hotel Passage Odessa
Schlüsselkarte unseres Hotels
Fündig werden wir schließlich im Hotel Passage, das seine Glanzzeit vermutlich in den Zwanziger Jahren hatte. Das Foyer wird dominiert von einem uralten Aufzug, der durch die Mitte der mondänen Freitreppe nach oben führt. Direkt daneben befindet sich das Restaurant des Hotels, das gleichzeitig auch Internetcafé ist, wie die rote, flackernde Neonschrift über der Tür besagt. Wir lassen uns ein Zimmer geben und gegen einen kleinen Aufpreis bekommen wir sogar eines mit fließend Warmwasser. Nachdem die Formalitäten erledigt sind dürfen wir mit dem Aufzug nach oben fahren.
Hotel Passage Odessa
Lounge des Hotelzimmers
Am Ende eines langen Ganges in der dritten Etage finden wir unser Zimmer. Das einst edle Eichenparkett ist gezeichnet von den Spuren des undichten Dachs über uns, die Wände sind mit einer zentimeterdicken Schicht alter Tapete bedeckt, die an manchen Stellen aufgeplatzt ist und den Blick auf bröckelnden Putz freigibt. Dafür haben wir für unser Geld immerhin ein großzügig dimensioniertes Bad, eine eigene Lounge und ein separates Schlafzimmer mit steinharten Matratzen bekommen.
Primorksi Boulevard Odessa
Primorski-Boulevard in der Altstadt
Wir erholen uns ein wenig von der langen Nacht, dann brechen wir noch einmal zum Bahnhof auf um unsere Weiterfahrt zu organisieren. Ein Blick auf den Fahrplan bringt uns zu dem Entschluss, als nächstes Uzhgorod an der slowakischen Grenze anzusteuern. Rasch holen wir Nachtzugtickets für den morgigen Abend und gehen dann in die Innenstadt zurück. Unterwegs kommen wir an einem der Wahrzeichen der Stadt vorbei, der Potemkinschen Treppe (Потьомкінські східці), die Altstadt und Hafen verbindet.
Potemkinsche Treppe
Potemkinsche Treppe
Eigentlich ist die Treppe nicht einmal extrem hoch, doch ein einfacher Trick lässt sie größer erscheinen: die obersten Stufen sind kleiner als die unteren Stufen. Am Fuß der Treppe müssen wir noch eine größere Straße überqueren, dann gelangen wir zu dem Pier, an dem üblicherweise die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Der Pier ist riesig, in seiner Mitte stehen ein Hotel und eine kleine Kirche, die für Hochzeiten offenbar sehr beliebt ist. Mindestens drei Hochzeitsgesellschaften können wir in der Nähe ausmachen. Wir setzen uns auf eine Bank und beobachten das Treiben.
Hotel Passage Odessa
Vom Sturzregen überrascht
Als zwischenzeitlich dichte Wolken aufziehen und es zu regnen beginnt, eilen wir zurück ins Hotel. Keinen Moment zu früh wie sich zeigt. Aus dem Fenster können wir beobachten, dass der Regen wie eine graue Wand herunterfällt, binnen Sekunden die maroden Regenrinnen des Hotels zum überlaufen bringt und den Innenhof unter unserem Fenster in einen kleinen See verwandelt. Ebenso schnell wie der Regen aufgezogen ist, ist er jedoch auch wieder verschwunden und lässt einen strahlend blauen Himmel zurück. Uns reicht es trotzdem für diesen Tag und so gehen wir erst abends noch einmal in die Stadt, setzen uns in ein Restaurant, bestellen eine Pizza und beobachten die an uns vorbeiflanierenden Passanten.
Meerespromenade Odessa
Morgendlicher Spaziergang
auf der Meerespromenade
Am nächsten Morgen stehen wir spät auf und gehen dann in das Internetcafé im Erdgeschoss des Hotels um zu frühstücken. Bald nachdem wir und gesetzt haben, kommt eine gestresste Frau vorbei und serviert jedem von uns einen Teller mit einem Sandwich, einem hartgekochten Ei und einem einzelnen Keks. Während wir noch essen, merken wir, dass einige Gäste in der Nähe sich auf Deutsch unterhalten. Wir gehen zu der kleinen Gruppe und erfahren, dass es sich um Geologen der Uni Mainz handelt, die eine Exkursion nach Odessa machen. Sonderlich gesprächig sind sie jedoch nicht und wir verabschieden uns bald wieder. Zurück auf dem Zimmer packen wir schnell unser Gepäck zusammen und gehen zur Rezeption runter.
Schwiegermutterbruecke Odessa
Auf der Schwiegermutterbrücke
Die Rucksäcke lassen wir bei den Leuten vom Wachdienst stehen, dann brechen wir zu einem weiteren Rundgang durch Odessa auf. Diesmal gehen wir den Meeresboulevard in ganzer Länge ab, dabei finden wir auch die so genannte Schwiegermutterbrücke (Тёщин мост). Eine Stahlkonstruktion aus Sowjetzeit, die der Stadtkommandant angeblich errichten ließ, damit seine Schwiegermutter sich nicht mehr über den langen Weg von seinem Haus zu ihrer Wohnung beschweren konnte. Das gesamte Brückengeländer ist mit Schlössern bedeckt, in die verliebte Paare ihre Namen graviert haben.
Hafen Odessa
Unterwegs zum Pier
Nachdem wir noch einige Seitenstraßen entlang des Meeresboulevards erkundet haben, gelangen wir schließlich erneut zur Potemkinschen Treppe. Wir gehen wieder zum Pier hinunter. An seiner Spitze stehen ein paar Bänke mit Meeresblick und wie der Zufall es will, ist eine davon frei. Die Wolken haben warmen Sonnenschein Platz gemacht und wir verbringen den Nachmittag auf der Bank sitzend, genießen den Blick auf das tiefblaue Meer und hören etwas Hörbuch.
Spezialitaet Ukraine
Abendessen in Odessa
Am späten Nachmittag gehen wir auf der Suche nach einem Restaurant in die Innenstadt zurück. In einem Park nahe des Hotels finden wir ein ansprechendes Lokal, das mit einheimischer Küche wirbt. Das Essen ist tatsächlich ausgezeichnet und trotz der Kellnerinnen in Landestracht, die wohl Touristen anlocken sollen, scheinen wir die einzigen Ausländer zu sein. Nachdem wir uns sattgegessen haben, holen wir im Hotel unser Gepäck ab. In der Dämmerung erreichen wir schließlich den Bahnhof, wo der Nachtzug nach Uzhgorod schon bereitsteht.
Zug Odessa Uzhgorod
Im Nachtzug nach Uzhgorod
Diesmal haben wir ein Vier-Bett-Abteil, das wir mit zwei Männern teilen. Der eine Mann scheint Ukrainer zu sein, er spricht jedoch während der gesamten Fahrt kein Wort. Der andere Mann ist polnischer Geschäftsmann, er verschwindet bald nach der Abfahrt aus dem Abteil und kommt erst mitten in der Nacht zurück. Geweckt von dem Krach, den er bei seiner Rückkehr macht, schrecken wir beide hoch. Der Pole ist offenbar nicht mehr ganz nüchtern und beginnt mit einem wüsten Redeschwall in unverständlichem englisch-polnischen Kauderwelsch. Einzig die Wörter "Polish Sex" stechen hervor. Wir müssen uns erfreulicherweise nicht weiter mit dem Sinn hinter dem Redeschwall beschäftigen. Offenbar ist der Mann nur ins Abteil zurückgekommen, um seine Sachen zusammenzupacken. Wenig später hält der Zug an irgendeinem namenlosen Bahnhof und der Pole steigt aus.
Karpaten Ukraine
Fahrt durch die Karpatenausläufer
Auch der andere Mitfahrer verlässt wenig später den Zug. Draußen bricht nun die Dämmerung an. Wieder einmal können wir im Morgengrauen eine beeindruckende Landschaft genießen. Der Zug fährt in gemächlichem Tempo durch die Ausläufer der Karpaten und die mit Bodennebel bedeckten Täler, Wiesen und Bergdörfer sind ein fantastischer Anblick. Wenig später klopft ein Grenzsoldat an die Abteiltür, wir nähern uns bereits der slowakischen Grenze. Obwohl wir die Grenze nicht passieren wollen, werden Pässe und Gepäck kontrolliert.
Uzhgorod Ukraine
Ankunft in Uzhgorod
Erst am späten Vormittag kommen wir schließlich in Uzhgorod an. Der Bahnhof ist ein verschlafener Außenposten des ukrainischen Bahnnetzes, dafür führt der Weg in die Innenstadt durch belebte Straßen. Nach allem was wir wissen, hat Uzhgorod außer einer kleinen Altstadt und einer Burgruine keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Wir wollen nach den anstrengenden drei Wochen hinter uns den Aufenthalt daher nutzen, um ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Uzhgorod Shopping
In der Innenstadt von Uzhgorod
Das moderne Hotel am Ufer des Uzh, des Stadtflusses, kommt uns grade recht. Wir können sogar Late-Check-Out buchen, denn der Nachtzug nach Lviv am morgigen Abend fährt erst um 23 Uhr ab. Nachdem wir unser Gepäck in dem äußert komfortablen Zimmer abgelegt haben, brechen wir in die Stadt auf. In strahlendem Sonnenschein gehen wir entlang des Flusses eine baumgesäumte Promenade entlang und finden uns schließlich in der Altstadt wieder.
Uzh Fluss Ukraine
Rast am Ufer des Uzh
Groß ist diese tatsächlich nicht, kaum mehr als ein halbes Dutzend Straßen mit Gründerzeitbauten. In einer der Straßen finden wir eine Pizzeria und holen uns dort unser Mittagessen, dann schlendern wir weiter durch die gemütlichen Sträßchen. Die Burg von Uzhgorod sehen wir zwar über der Stadt thronen, entscheiden aber, erst morgen hinaufzusteigen. Nachdem wir ein kurzes Sonnenbad auf einer der Sitzbänke am Flussufer genommen haben, kehren wir stattdessen ins Hotel zurück.
Burg Uzhgorod
Weg zur Burgruine
Der nächste Morgen beginnt wider Erwarten mit heftigem Regen, der noch andauert während wir zum Frühstücksbuffet ins Hotelrestaurant runtergehen. Erst als wir zurück in unserem Zimmer sind, hört der Regen auf. Nachdem wir noch eine halbe Stunde gewartet haben, zeigt sich sogar wieder die Sonne und als wir mittags in die Stadt gehen, hat es sich bereits mächtig aufgeheizt. Wir gehen direkt über eine schöne alte Allee zur Burg hinauf. Umgeben von den wuchtigen Außenmauern ist ein kleiner Park angelegt. Neben einigen Ausgrabungen sind dort auch moderne Skulpturen zu bewundern. Wir spazieren ein wenig herum, genießen den Ausblick von den Zinnen der Burgmauer und setzen uns dann kurzentschlossen in das Restaurant im ehemaligen Wachhaus am Burgtor.
Burg Uzhgorod
Vor den Burgmauern
Burg Uzhgorod
Ausgrabung im Burghof
Burg Uzhgorod
Aussicht vom Burgberg
Nachdem wir uns auf dem Rückweg in die Stadt noch in ein Café gesetzt haben, ist es bereits später Nachmittag, als wir im Hotel zurück sind. Die restliche Zeit bis zur Abfahrt des Zuges verbringen wir vor dem Fernseher im Hotelzimmer, wo wir zu unserer Überraschung das erste Mal seit drei Wochen deutsches Fernsehen empfangen.
Hotel Uzhgorod
Im Hotelzimmer
Um 22 Uhr gehen wir schließlich Richtung Bahnhof los und beobachten neugierig das Treiben auf den Straßen. Noble Hotels und Restaurants stehen direkt neben heruntergekommenen Casinos und Kneipen; Prostituierte und Obdachlose gehören genauso zum Bild wie Anzugträger und feiernde Jugendliche. Über allem liegt der warme Nebel von Wodka. Während wir am Bahnhof noch unsere Eindrücke vom "wild, wild East" diskutieren, setzt sich ein junger Mann neben uns und beginnt in gebrochenem Englisch ein Gespräch übers Reisen. Wir erfahren, dass er von der Krim kommt, seit einigen Wochen ziellos durch die Ukraine reist und demnächst in die EU weiterreisen möchte. Erst als unser Zug einfährt, verabschiedet er sich.
Nachtzug Ukraine
Nachtzug nach Lviv
Diesmal haben wir das Abteil im Nachtzug für uns allein, dennoch wird es keine geruhsame Nacht. Es geht rapide auf den Herbst zu und die Außentemperaturen sind bereits recht niedrig. Umso unangenehmer ist daher das undichte Fenster und die defekte Heizung, die uns die ganze Nacht durch frieren lassen. Ohnehin wird es eine kurze Nacht, bereits um sechs Uhr erreichen wir Lviv.
Hostel Kosmonaut Lviv
Ankunft im Hostel
Die Ticketschalter am Bahnhof sind bereits geöffnet und so entscheiden wir uns schnell für das polnische Krakau als nächstes Fahrtziel. Die Züge dorthin sind jedoch fast alle ausgebucht. Wir können nur einen Zug morgen in aller Frühe buchen, viel früher als wir uns gewünscht hätten. Genervt machen wir uns in der Morgendämmerung auf den Weg in die Innenstadt. Dort finden wir nach etwas Suchen das Hostel Kosmonaut. Das Gebäude sieht recht baufällig aus und vor dem Eingang steht ein Holzkreuz in einem Meer von Blumen und Kerzen. Trotz der frühen Uhrzeit versuchen wir unser Glück an der Rezeption und tatsächlich ergattern wir die letzten beiden freien Betten in einem der Schlafsäle.
Lviv Bar
In der Altstadt von Lviv
Nachdem wir das Gepäck abgestellt haben, gehen wir in die Stadt zurück und frühstücken erst einmal. Da wir ärgerlicherweise nur einen Tag für die Besichtigung von Lvov haben, müssen wir unser Programm ein wenig straffen. Wir beschließen zunächst zum außerhalb gelegenen Lytschakiwski-Friedhof (Личаківський цвинтар) zu gehen. Der Weg führt über eine schier endlose Straße, die in voller Länge aufgerissen und saniert wird. Schließlich sind wir jedoch da und alle unsere Erwartungen werden übertroffen. Der Friedhof bedeckt den Hang eines sanften, bewaldeten Hügels. Die alten Gruften, Grabsteine und Kreuze sind in eine dünne Schicht Bodennebel gehüllt und sehen im weichen Morgenlicht unglaublich beeindruckend aus. Trotz unserer knappen Zeit verbringen wir den gesamten Vormittag auf dem Friedhof, spazieren über die Wege und finden immer neue überwucherte Gräber und vergessene Seitenpfade. Erst als die Mittagshitze auch über den schattigen Friedhof hereingebrochen ist, gehen wir in die Innenstadt zurück.
Friedhof Lviv
Spaziergang über den...
Lytschakiwski Friedhof
...in Lviv
Friedhof Lvov
...Lytschakiwski-Friedhof...
Dort schlendern wir gemütlich durch die Straßen und Gassen mit ihren liebevoll restaurierten Häusern. Schließlich klettern wir noch zur alten Burg von Lviv hoch. Der Weg führt über eine lange, klapprige Treppe, doch der Ausblick auf Lviv entlohnt für die Anstrengung. Er lässt auch vergessen, dass nur ein paar Mauerreste und eine Gedenktafel an die Burg erinnern. Wir verbringen den restlichen Nachmittag auf dem Burgberg und gehen erst in der anbrechenden Dämmerung zum Hostel zurück, holen endlich die überfällige Dusche nach und gehen schließlich noch einmal zum Essen in die Stadt zurück.
Altstadt Lemberg
Stadtmauer
Altstadt Lviv
Opernhaus von Lviv
Altstadt Lvov
In der Altstadt
Die Nacht im Hostel wird wenig erholsam. Unser Zimmer liegt direkt neben einem der Badezimmer und dort springt in regelmäßigen Abständen eine lautstarke Abwasserpumpe an. Morgens klingelt bereits weit vor Sonnenaufgang der Wecker. Wir raffen unsere Sachen zusammen und bestellen an der Rezeption ein Taxi zum Bahnhof.
Ukraine Landschaft
Abschied von der Ukraine
Tatsächlich dauert es nicht lange bis ein klappriger Mercedes vorgefahren ist. Ohne ein Wort mit uns zu wechseln, rast der junge Taxifahrer mit uns durch die verlassenen Straßen und lässt uns schließlich am Bahnhof raus. Dort müssen wir zumindest nicht mehr lange auf die Abfahrt unseres Zuges warten. Die Zugfahrt bis zur Grenze dauert ebenfalls nicht lange, genausowenig wie die Ausreise aus der Ukraine. Hingegen dauert es drei Stunden bis wir nach Polen eingereist sind.


4. Polen

Umspuren Polen Ukraine
Umspuranlage im polnischen Przemyśl
Unser Gepäck wird nur deshalb nicht komplett gefilzt, weil im Abteil nebenan ein Mann ohne gültigen Ausweis sitzt, der die Aufmerksamkeit der unfreundlichen Grenzpolizistin mehr beansprucht als unsere bereits halb ausgepackten Rucksäcke. Als wir denken, dass es nun endlich weitergeht, halten wir in Przemyśl ein paar Kilometer hinter der Grenze. Die Waggons müssen hier von der russischen Breitspur auf die europäische Normalspur umgespurt werden. Nacheinander wird jeder Waggon vollbesetzt zu einer gigantischen Hebeanlage rangiert, dann werden die Radsätze ausgetauscht. Eine zeitaufwändige Aktion. Obwohl wir am frühen Morgen von Lviv aufgebrochen sind, ist es bereits Abend, als wir endlich Krakau erreichen.
Hostel Krakau
Ankunft im Hostel in Krakau
Vom Bahnhof in Krakau gehen wir direkt in die Innenstadt weiter und werden auf der Suche nach einem Hostel unweit des Burgbergs fündig. Wir buchen vier Nächte in einem 12-Mann-Schlafsaal, legen unser Gepäck ab und gehen in einem Restaurant direkt neben dem Hostel essen. Nach dem Essen sind wir zu müde für einen Erkundungsgang durch die Stadt, außerdem ist es stürmisch geworden, so dass wir schließlich einfach schlafen gehen.
Salzmine Krakau
Ticket für Wieliczka
Statt am nächsten Morgen Krakau zu besuchen, beschließen wir lieber zur Wieliczka-Höhle zu fahren, einem ehemaligen Salzbergwerk, in dessen Stollen eine riesige Kapelle aus dem Salz geschlagen wurde. Der Bus fährt in der Nähe des Bahnhofs ab und nach anderthalb Stunden Fahrt in dem umgebauten VW-Sprinter erreichen wir das kleine Städtchen mit dem gleichnamigen Salzstollen. Vor dem Eingang hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Aber das Warten lohnt sich, im Inneren des Stollens sind wir beeindruckt von den komplizierten hölzernen Konstruktionen, mit denen die Gänge und riesigen Höhlen abgestützt wurden und natürlich staunen wir auch über die riesige Kapelle. Vor rund hundert Jahren wurde sie von einer Handvoll Arbeiter aus dem harten Steinsalz einer großen Höhle gemeißelt. Nicht nur, dass die Wände erstaunlich eben sind, die Künstler haben auch Heilgenstatuen aus dem Salz geschlagen.
Salzmine Wieliczka
Stützkonstruktion
Salzmine Wieliczka
Heiligenstatue
Salzmine Wieliczka
Salzkapelle
Nach rund drei Stunden ist die Führung beendet und wir fahren mit einem der historischen Grubenaufzüge wieder an die Oberfläche zurück. Dort müssen wir nicht lange auf einen Bus zurück nach Krakau warten und so haben wir noch genügend Zeit, den Abend in den belebten Straßen der Altstadt ausklingen zu lassen.
KZ Ausschwitz
Eingang zum KZ Ausschwitz
Am nächsten Morgen beschließen wir, die nahegelegene Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen. Knapp zwei Stunden dauert die Busfahrt dorthin. Wir sind uns selber nicht ganz im Klaren, was wir erwartet hatten, eine meterlange Schlange vor den Ticketschaltern jedenfalls nicht. Als wir an der Reihe sind, erfahren wir, dass eine geführte Tour Pflicht ist, wir müssen jedoch nicht lange warten, bis wir uns einer anschließen können.
Gedenkstaette Ausschwitz
Exekutionshof in Ausschwitz
Zunächst werden wir durch einige Baracken des Hauptlagers Auschwitz geführt, wo neben Tafeln mit Bildern vom Lageralltag auch Besitztümer der getöteten Insassen gezeigt werden. Darunter Berge von Kleidern, Koffern und Kinderspielzeug. Trotz der vielen gruseligen Exponate bleiben die Taten von damals unvorstellbar in ihrem Umfang und in ihrer Unmenschlichkeit.
KZ Birkenau
Gleisanschluss im KZ Birkenau
Mit dem Bus geht es anschließend ins nahegelegene Lager Birkenau weiter. Während Auschwitz als ehemaliges Kasernengelände aus massiven Backsteinbauten besteht, ist Birkenau eine riesiges Feld mit Holzbaracken, von denen aber nur wenige erhalten sind. Trotz seiner blutigen Vergangenheit wirkt der Ort seltsam friedlich.
Gedenkstaette Birkenau
Im einer der Baracken in Birkenau
Nur der Stacheldraht, die wenigen erhaltenen Baracken und die Trümmer der gesprengten Krematorien erinnern an den Genozid, der hier verübt wurde. Als wir uns schließlich auf den Rückweg machen, sind wir aufgewühlt von dem Gesehenen, auch wenn es mehr Fragen aufgeworfen als geklärt hat. Die Taten des Nazi-Regimes sind und bleiben auch an einem Ort wie Auschwitz in ihrem Ausmaß unfassbar. Es ist schon früher Abend, als wir in Krakau zurück sind. Unsere Stimmung ist gedrückt und so gehen wir nach einem schweigsamen Abendessen früh ins Hostel zurück.
Zugticket Polen
Zugticket nach Katowice
Am nächsten Morgen ist unsere Laune wieder besser und nach den letzten beiden bedeckten Tagen ist der Himmel heute blau. Daheim in Deutschland war uns aufgefallen, dass erstaunlich viele polnischstämmige Bekannte angaben, sie stammten aus Kattowitz. Da die Stadt nur eine Stunde Bahnfahrt von Krakau entfernt ist, beschließen wir dorthin zu fahren.
Bahnhof Kattowitz
Am Bahnhof Kattowitz
In Kattowitz angekommen, sind wir jedoch eher enttäuscht. Es ist Sonntag und die Straßen sind wie leergefegt, die Geschäfte geschlossen. Wir spazieren eine Weile durch die Innenstadt, finden aber nichts, was uns zu längerem Verweilen ermuntern würde. Schließlich kehren wir um und gehen zum Bahnhof zurück. Unterwegs finden wir immerhin heraus, warum die Stadt so menschenleer ist: Vor den Kirchen herrscht dichtes Gedränge.
Synagoge Krakau
Synagoge im Jüdischen Viertel
Als wir am frühen Nachmittag zurück in Krakau sind, beschließen wir nach den Ausflügen der letzten Tage, heute endlich die Stadt selber zu erkunden. So brechen wir in das nahe dem Hostel gelegene jüdische Viertel auf. Zufällig finden wir einen Wegweiser zu Schindlers Fabrik, die aber eher lieblos renoviert wurde und mit dem Originalgebäude nicht viel gemeinsam zu haben scheint. Über den Hauptplatz des ehemaligen jüdischen Ghettos kehren wir in die Altstadt zurück. Dort sind in einer Seitenstraße einige Fressbuden und eine kleine Bühne aufgebaut. Wir setzen uns auf eine niedrige Mauer in der Nähe der Bühne und testen die Spezialitäten der verschiedenen Stände, darunter Langose, Pelmeni und Shish-Kebap. Anschließend machen wir noch einmal einen Rundgang durch die Altstadt von Krakau.
Altstadt Krakau
In der Altstadt
Altstadt Krakau
Auf dem Rynek Główny
Altstadt Krakau
Peter-und-Paul-Kirche
Altstadt Krakau
In einem Café in der Altstadt
Altstadt Krakau
Vor den Tuchhallen...
Altstadt Krakau
...und in den Tuchhallen
Am nächsten Morgen checken wir nach dem Frühstück aus und lassen das Gepäck im Hostel. Am Abend wollen wir einen Nachtzug an die polnische Ostseeküste nach Danzig nehmen.
Wawelkathedrale
Wawelkathedrale
Vorher wollen wir noch das Wahrzeichen von Krakau, den Wawel erkunden. Die ehemalige Festung erhebt sich über der Altstadt auf einer kleinen Klippe an der Weichsel. Obwohl es noch recht früh am Morgen ist, sind bereits viele Touristen unterwegs. Wir folgen den Menschenmassen in den Innenhof der Festung. Dort lassen wir die Kulisse von Wawelkathedrale und Wawelschloss auf uns wirken.
Wawelschloss
Innenhof des Wawelschlosses
Schließlich finden wir einen Wegweiser zur so genannten Drachenhöhle und kaufen spontan ein Ticket dafür. Über eine schmale Wendeltreppe geht es in eine große, natürliche Höhle hinab und anschließend durch immer neue Felskammern. Am Ende des ehemaligen Fluchttunnels kommen wir schließlich am Fuße der Klippe direkt an der Weichsel aus. Vor dem Ausgang steht eine große Drachenskulptur, die tatsächlich sporadisch Feuer spuckt. Wir gehen zurück in die Altstadt und lassen uns noch einmal durch die Straßen und Gassen treiben, dann wird es Zeit Abschied zu nehmen.
Drachenhoehle Krakau
Namensgeber der Drachenhöhle
Rasch holen wir das Gepäck im Hostel ab und gehen zum Bahnhof. Lange müssen wir dort nicht mehr warten, dann wird der Nachtzug bereitgestellt. Angenehm wird die Fahrt jedoch nicht. Die Pritschen in dem Sechs-Bett-Abteil sind durchgelegen, als Bettwäsche gibt es nur ein Wegwerf-Laken aus Papier. Außerdem ist einer der Mitreisenden dermaßen betrunken, dass er kaum aufstehen kann und die ohnehin schlechte Luft im Abteil wie die Abgase einer Destillerie riechen lässt. Nachdem wir beide fast die ganze Nacht wachgelegen haben, sind wir froh, als wir am Morgen endlich Danzig erreichen.
Hostel Danzig
Unser Hostel in Danzig
Trotz der frühen Uhrzeit ist es bereits brütend warm. Vom Bahnhof ist es nur ein kurzer Fußweg in die Innenstadt, wo wir zügig ein Hostel finden. Die Eingangstür ist noch abgeschlossen und erst auf unser Klingeln öffnet eine verschlafene junge Frau. Obwohl es noch so früh ist, dürfen wir schon einchecken und gehen in unser kleines Zimmer im ausgebauten Dachstuhl des Hostels hoch. Nach der strapaziösen Nachtzugfahrt gönnen wir uns eine kleine Pause, dann brechen wir in die Stadt auf.
Altstadt Danzig
Die Große Mühle
Durch einen kleinen Park, in dem eine zur Shoppingmall umgebaute Kornmühle steht, gelangen wir zum Eingang der Altstadt, dem Langgassertor. Dahinter erstreckt sich der Lange Markt, der gesäumt ist von schönen alten Stadthäusern. Der Platz mündet auf das Grüne Tor, hinter dem der Hafen beginnt. Allgegenwärtig sind kleine Geschäfte und Verkaufsstände wo man Bernstein in allen Formen und Farben kaufen kann.
Altstadt Danzig
Hafen von Danzig
Wir lassen uns eine ganze Weile durch die Altstadt treiben, dann wird uns die drückende Mittagshitze zu viel und wir gehen Richtung Hostel zurück. Unterwegs finden wir eher zufällig die historische Markthalle von Danzig. Im Untergeschoss gibt es einige Käsestände, Metzger und Bäcker. Wir zögern nicht lange und kaufen von jeder angemessen interessanten polnischen Spezialität eine Kostprobe, die wir später im Hostel als Mittagessen genießen.
Altstadt Danzig
Abends auf dem Langen Markt
Dann wird es Zeit für ein weniger erfreuliches Kapitel, denn langsam müssen wir unsere Rückkehr planen. Nach einigem Diskutieren beschließen wir, morgen von Danzig nach Szeczin an der deutschen Grenze zu fahren. Nach einer weiteren Nacht dort, wollen wir ins nahe Berlin weiter und von dort schließlich in die Heimat zurück. Insgesamt werden wir dann gute fünf Wochen unterwegs gewesen sein. Ein wenig betrübt über das nahe Ende der Reise, setzen wir uns Abends noch in eine Bar am Hafen von Danzig, bestellen uns etwas zu trinken und hängen unseren Gedanken nach. Die Nacht ist längst hereingebrochen, als wir ins Hostel zurückkehren.
Postamt Stettin
Ankunft in Szczezin
Am nächsten Morgen sind wir schon früh auf den Beinen, um nach Szeczin zu fahren. Nach dem sonnigen Tag gestern regnet es heute kräftig. Die Fahrt wird ebenso unerfreulich wie das Wetter, die Züge sind vollbesetzt und als wir schließlich ankommen ist es wegen der Verspätung der Züge bereits Nachmittag. Bevor wir nach einem Hostel suchen, stellen wir uns zunächst in die Schlange vor dem Ticketschalter um für morgen ein Ticket nach Berlin zu lösen. Noch während wir warten, spricht uns ein Mann an und drückt uns eine Visitenkarte in die Hand. Wenn wir morgen nach Berlin wollten, sollten wir unter der angegebenen Nummer einen Sitzplatz in seinem Privatbus reservieren. Kaum ist der erste Mann weg, kommt ein weiterer und blafft uns auf Deutsch mit den Worten "Schwarz-Firma. Verboten!" an.
Jakobikirche Stettin
Jakobikirche
Als wir endlich unser Bahnticket haben, fragen wir an der Touristeninfo nach einer billigen Übernachtungsmöglichkeit und werden an ein Hotel in Bahnhofsnähe verwiesen. An der Rezeption dort erfahren wir, dass eine Handelsmesse in der Stadt wäre und deswegen eigentlich kein Zimmer frei sei. Schließlich bekommen wir aber das Zimmer für Rollstuhlfahrer zugewiesen. Da der Regen draußen inzwischen nachgelassen hat, brechen wir bald darauf in Richtung der Innenstadt auf. Dort finden wir jedoch nur eine riesige Baustelle. Offenbar steht die Eröffnung einer großen Shoppingmall kurz bevor. Wir irren eine Zeit lang durch die Baustellen rings um die Mall, finden aber weder die angepriesene Altstadt noch eine ansprechende Innenstadt. Als schließlich wieder neue Regenwolken aufziehen, kehren wir genervt ins Hotel zurück.
Brandenburger Tor
Ankunft in Berlin
Am nächsten Morgen stehen wir bereits weit vor dem Sonnenaufgang am Bahnhof um den ersten Zug nach Berlin zu erreichen. Die Fahrt dauert zu unserer Überraschung nicht sonderlich lange und bereits am frühen Vormittag sind wir in Berlin angekommen. Nach dem trüben Tag gestern herrscht heute strahlender Sonnenschein. Rasch checken wir in einem Hostel in der Nähe des Hauptbahnhofs ein, dann brechen wir zu einem einigermaßen ziellosen Rundgang durch Berlin auf. Beide sind wir zuvor schon mehrfach hier gewesen, also verspüren wir keinen Zwang, bestimmte Touristenattraktionen zu besichtigen. Stattdessen lassen wir unsere Füße entscheiden, gehen am Brandenburger Tor und am Bundestag vorbei, statten dem KaDeWe einen Besuch ab und werfen einen Blick auf die Muesumsinsel, das Holocaustmahnmal und auf Schloss Bellevue. Als es schließlich Nacht geworden ist, kehren wir ins Hostel zurück und setzen uns noch für ein Bier auf die Dachterrasse des Hostels.
Reichstag
Reichstag in der Abenddämmerung
Schloss Bellevue
Schloss Bellevue
Holocaustmahnmal Berlin
Holocaustmahnmal
Am nächsten Morgen stehen wir erst spät auf, keiner von uns hat Lust auf die Rückfahrt. Nachdem wir gefrühstückt haben, führt jedoch kein Weg mehr daran vorbei. Tickets für den Schnellverkehr wären kurzfristig unverhältnismäßig teuer gewesen, also kaufen wir ein Schönes-Wochenende-Ticket und nutzen den Nahverkehr.
Berlin Hauptbahnhof
Start der letzten Tagesetappe
Auf der Strecke Berlin - Rathenow - Stendal - Wolfsburg - Braunschweig - Minden - Hamm erreichen wir am späten Nachmittag Solingen, wo wir schon erwartet werden. Trotzdem sind wir wehmütig. Knapp 10.000 Bahnkilometer haben wir in den vergangenen fünf Wochen zurückgelegt, vier beeindruckende Länder und viele Menschen kennenlernen dürfen. Eigentlich verspüren wir keine Motivation in den Alltag zurückzukehren, aber es hilft alles nichts und immerhin haben wir bereits neue Reisepläne geschmiedet...